Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Immer wieder Dienstags

Author: Lisa

Wir gehören ja zu den Menschen, die aufgrund ihrer Selbständigkeit nicht den “Thank God it’s Friday! Spruch loslassen können wie viele andere. Ich gehe auch gerne Sonntags zum Briefkasten, bis mir einfällt, dass die Post ja am Sonntag nicht kommt. Und selbst unser Frühstücksei, das wir uns am Wochenende gerne mal gönnen, vergessen wir manchmal einfach. Frei nach dem Motto “wie, schon wieder Wochenende? Okay, arbeiten wir trotzdem.”

Aber jeden Dienstag, um Punkt 12 Uhr Mittags geschieht etwas in San Francisco, das einen sofort wieder in die hiesige Zeitzone zurückbefördert:

Wenn das Ding also mal losgeht und länger heult als dieses eine Mal, dann ist definitiv nicht Dienstag um 12. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß dass vorher die Erde gewackelt hat. Oder es gab vor der Küste ein Erdbeben, und es dauert noch 30-60 Sekunden bis ein Tsunami auf die Küste trifft. So oder so, nicht unbedingt schön.

Die Dinger stehen wohl an denselben Stellen, wo auch die Sirenen aus dem 2. Weltkrieg gestanden haben. Die neuen Systeme haben auch den Ton der damaligen Sirenen aufgenommen (daher auch dieser nette, sehr hoch frequenzierte Piepton kurz bevor die Sirene losgeht), weil’s halt doch sehr durchdringend ist das Geräusch. Insgesamt gibt es 65 Stück über die ganze Stadt verteilt, was auf dieser recht kleinen Fläche doch eine ganze Menge sind. Wir sind hier von insgesamt drei in der unmittelbaren Umgebung umgeben: eine in Chinatown, fünf Blocks unsere Straße hoch und sechs Blocks Richtung Osten, dann noch eine am Union Square, einen halben Block unsere Straße hoch und vier Blocks nach Osten, und die aus dem Video steht übrigens in unserer Straße, nur einen Block weiter oben. Dementsprechend bekommen wir die volle Breitseite ab (aber aufgrund der Häuserschluchten muss man doch schon wissen was da gesagt wird. Ich glaube im Notfall wird es echt schwierig die Anweisungen zu verstehen. Aber hoffen wir mal, dass so ein Notfall nicht eintritt.

Was so los ist.

Author: Martin

Im Juni schröbten wir ja noch ne ganze Menge, im Juli leider nicht mehr so. Das ist ärgerlich, für den Leser wie die Schreibenden, denn diese Ruhe bedeutet auch, dass wir kaum Zeit haben aufregende Dinge zu erleben, geschweige denn darüber zu schreiben.

Nun aber hier eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen:

Ich habe mich an eine Architektur-Demo gesetzt. Wir arbeiten ja mit der Technologie von Computerspielen um “nützliche” Anwendungen zu schaffen, und genau dieses Know-How möchten wir in den USA ja nun vermarkten. Und damit man etwas vermarkten kann, muss man es erstmal zeigen können. Und damit wir etwas zum zeigen haben, habe ich in den letzten Wochen eine Demo gemacht, um Architekten erklären zu können, warum unsere Technologie so viel besser ist als Zeichnungen und Holzmodelle. Dazu habe ich eines der bekanntesten Gebäude der Stadt (555 California Street, ehemaliges Hauptquartier der Bank of America) genommen, mich davor gestellt und die Details eingeprägt, ein paar Fotos davon gemacht, und mich dann zuhause dran gemacht, es im Detail nach zu bauen. Das hat, samt Programmierung der dazugehörigen Software, etwa sechs Wochen gedauert und ich werde wohl heute oder morgen damit fertig. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Hier ein paar Bilder davon:

Die Bilder sind natürlich alle anklickbar um sie zu vergrößern. Und die Architekturbüros, denen wir das Programm zeigen werden, können dann nun über den Vorplatz und durch das Erdgeschoß dieses Gebäudes laufen und sich alles ganz genau ansehen und werden begeistert davon sein und so etwas auch für ihre Bauprojekte haben wollen. So ist zumindest der Plan.

Lisa arbeitet in dieser Zeit mit Armin, unserem Kollegen in Deutschland, zusammen an einer iPhone-App (ein Programm für das Apple iPhone), die es Frauen ermöglichen soll, ihre Basaltemperatur im Auge zu behalten. Das ganze ist natürlich komplizierter als es klingt und eine Wissenschaft für sich, vor allem wenn man diese Sache zur Familienplanung einsetzen will. Und unser Programm soll einem dabei helfen, das System etwas zu vereinfachen und leichter benutzen zu können. Dazu aber später mehr, wenn es in ein paar wenigen Wochen marktreif wird.

Und ganz nebenbei, und nun kommt das eigentlich spannende Thema, sitzt Lisa noch über den Verträgen zu unserer neuen amerikanischen Corporation (= Aktiengesellschaft), die wir als Schwester zu unserer deutschen Firma gründen. Der Gründungsprozess an sich ist sehr viel einfacher (und kostengünstiger) als der in Deutschland, allerdings sind die Informationen hier sehr viel weiter gestreut und viel schwerer zusammen zu tragen. In Deutschland ist das Gesellschaftsrecht auf Bundesebene festgelegt und überall gleich. Hier hingegen kann jeder Staat selbst beschließen wie die einzelnen Regeln zu sein haben. Es gibt zwar seit einigen Jahren das Bestreben, die Regeln der einzelnen Staaten zumindest anzugleichen, besonders weit ist man mit diesem Prozess aber freilich noch nicht gekommen. Und deshalb bekommt man in keiner Buchhandlung einen Leitfaden, wie man in Kalifornien eine Corporation gründet, sondern immer nur, wie so etwas “in etwa” in allen Staaten abläuft. Die Details für Kalifornien muss man sich dann mühsam selbst zusammen tragen. Zwar bietet der Secretary of State (= Innenminister von Kalifornien, das zuständige Ministerium) einen Leitfaden und Eckpunkte, die man beachten soll, die Details selbst finden sich aber erst im California Corporations Code (= Gesetz zur Regelung von Kapitalgesellschaften in Kalifornien).

Wer schon ein mal einen deutschen Gesellschaftervertrag, eine Gesellschaftssatzung oder ähnliches in den Händen hatte wird sich beim Lesen vermutlich gedacht haben, dass so ein Amtsdeutsch schon schrecklich verschachtelt und kompliziert sein kann. So ging es mir zumindest bei der Verfassung der Verträge zu der deutschen Firma. Nichts hingegen, und das hätte ich ehrlich nie gedacht, schlägt Vertragsenglisch. Als Beispiel hier ein Satz, ich betone EIN EINZIGER Satz, aus einem Beispielvertrag:

“As used herein in respect of the right to notice of a meeting of stockholders or a waiver thereof or to participate or vote thereat or to consent or dissent in writing in lieu of a meeting, as the case may be, the term “share” or “shares” or “share of stock” or “shares of stock” or “stockholder” or “stockholders” refers to an outstanding share or shares of stock and to a holder or holders of record of outstanding shares of stock when the corporation is authorized to issue only one class of shares of stock, and said reference is also intended to include any outstanding share or shares of stock and any holder or holders of record of outstanding share or shares of stock of any class upon which or upon whom the certificate of incorporation confers such rights where there are two or more classes or series of shares of stock or upon which or upon whom the General Corporation Law confers such rights notwithstanding that the certificate of incorporation may provide for more than one class or series of shares of stock, one or more of which are limited or denied such rights thereunder; provided, however, that no such right shall vest in the event of an increase or a decrease in the authorized number of shares of stock of any class or series which is otherwise denied voting rights under the provisions of the certificate of incorporation, except as any provision of law may otherwise require.”

Noch Fragen?…

Lisa plagt sich jedenfalls durch den Papierkram und ist damit ebenfalls quasi fertig. Am kommenden Montag werden wir von Freunden nach Sacramento gefahren, der Hauptstadt von Kalifornien, damit wir alles abgeben können. Und 24 Stunden später sollte unsere kleine Corporation dann stehen.

An der privaten Front passiert zur Zeit so gut wie gar nichts, selbst für Ausflüge ist momentan nicht viel Zeit. Allerdings haben wir uns am vergangenen Samstag den Abend frei genommen und waren draussen am Point Lobos und den Sutro Baths, direkt an der Pazifikküste. Es war ein grandioser Abend und Lisa wird in Kürze die Fotos zur Betrachtung und Beneidung bereit stellen.

Und ich werde mich nun wieder an die Arbeit setzen, damit ich bald mal fertig werde – und das nächste Projekt anfangen kann.

Chinatown

Author: Lisa

Ich glaube es gibt nur wenige, denen entweder Martin oder ich erzählt haben, dass Chinatown in San Francisco die größte Menge an Chinesen an einem Ort außerhalb Chinas beherbergt. Und Chinatown sieht mit seinen Pagodendächern auch wie eine Mini-Ausgabe Chinas aus. Wobei ich natürlich dazusagen muss, dass ich selbst noch nie in China gewesen bin und nicht beurteilen kann, wie das “richtige” China aussieht, und wie die Menschen sich verhalten.

In Chinatown jedenfalls fühlt man sich nicht nur durch das Aussehen der Gebäude in einer anderen Welt, sondern auch wegen der Menschen. Man merkt die doch recht abweisende Haltung, die einem als Europäer/Amerikaner (also, weißhäutig eben) entgegengebracht wird. Nicht so sehr in der Grant Street, der Touristenstraße mit all den überteuerten Läden, sondern in den Nebenstraßen, wohin sich nur ganz selten (aus genanntem Grund) Europäer und Amerikaner hin verirren.

Dass Chinatown von der dortigen Mafia geregelt wird und sich San Francisco dort mehr oder weniger raushält ist kein Geheimnis. Es ist eine Art Wiedergutmachung dessen, was den Chinesen im 19. Jahrhundert angetan wurde. Zwischen 1850 und 1900 war Chinatown im Grunde die Schnittstelle zwischen China und Amerika für Immigranten. Als billige Arbeitskräfte missbraucht bekamen die Chinesen während einer wirtschaftlichen Flaute im Lande und daraus resultierender Arbeitslosigkeit den Rassismus von der damaligen Regierung des Landes zu spüren: 1882 wurde der so genannte “Chinese Exclusion Act” erlassen, das erste Gesetz das es einer bestimmten ethnischen Rasse verbot in das Land einzuwandern. Durch dieses und weitere Anti-Immigranten Gesetze reduzierte sich die Zahl der chinesischen Einwanderer drastisch. Hinzu kam natürlich die Tatsache, dass die Einwanderer lediglich geduldet wurden in der Stadt und darauf angewiesen waren, dass diejenigen, die ihnen erlaubten Läden zu bewirtschaften und Wohnungen zu bewohnen, ihnen diese Gunst nicht entziehen würden.

Als 1906 die Stadt durch ein Erdbeben und den Feuern dem Erdboden gleich gemacht wurde, wollte die Stadt die Chinesen viel weiter südlich, am äußersten Rand von San Francisco umsiedeln. Der Widerstand der Chinesen vereitelte diesen Plan jedoch, was wohl zum einen damit zusammenhängt, dass das heutige Viertel eben so aussieht, wie es aussieht. Es wurde eben als eine “westfreundliche” Touristenattraktion aufgebaut und ist dies bis heute auch geblieben. Hinzu kommt wohl auch, dass eben die Mafia dort das Sagen hat, und im Grunde kein Nicht-Chinese sich je trauen würde dort zu wohnen.

Also ist Chinatown eine kleine Autokratie inmitten einer Großstadt. Die Regeln, die für das restliche San Francisco gelten, sind dort mehr oder weniger außer Kraft gesetzt: man zahlt (außer in dern Touri-Läden vielleicht) keine Steuern auf das, was man kauft. In Amerika muss man ja immer den Steuersatz des hiesigen Bundesstaates zum deklarierten Preis hinzurechnen, nicht so in Chinatown. Ich finde das ganz praktisch, weil ich so ein Kilo Kirschen für $1,60 bekomme. Damit kann ich leben.

Nichtsdestotrotz bin ich immer recht vorsichtig wenn ich dort einkaufe. Ein Lächeln darf man nicht von den Chinesen erwarten, was aber vor dem Hintergrund ihrer Geschichte meiner Meinung nach auch kein Wunder ist. Demnach werde ich wohl einfach die Außergewöhnlichkeiten Chinatowns weiterhin bewundern, aber mit dem nötigen Respekt der den dort Einheimischen gebührt.

Dreißig…!

Author: Martin

Noch

30

Tage…

Goodbye, my love ♥

Author: Lisa

Nach 13 wundervollen Jahren mit Katzen, bin ich nun das erste Mal ohne. Heute ist Luzie zu Matthias und Sabine gezogen. Es tut mehr weh, als ich vermutet hätte. Ich hoffe, dass sie sich nicht verlassen und verstoßen fühlt, denn Matze und Biene freuen sich wirklich auf die Süße. Aber wenn sie sich nur annähernd so fühlt wie ich gerade, dann braucht sie heute gedanklich alle Liebe die möglich ist.

Luzie, meine Süße, in Gedanken bin ich bei dir, und werde es immer sein. Du hast ein schönes neues Zuhause, und Angst brauchst du keine zu haben. Versprochen. Ich liebe dich.