Im Juni schröbten wir ja noch ne ganze Menge, im Juli leider nicht mehr so. Das ist ärgerlich, für den Leser wie die Schreibenden, denn diese Ruhe bedeutet auch, dass wir kaum Zeit haben aufregende Dinge zu erleben, geschweige denn darüber zu schreiben.
Nun aber hier eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen:
Ich habe mich an eine Architektur-Demo gesetzt. Wir arbeiten ja mit der Technologie von Computerspielen um “nützliche” Anwendungen zu schaffen, und genau dieses Know-How möchten wir in den USA ja nun vermarkten. Und damit man etwas vermarkten kann, muss man es erstmal zeigen können. Und damit wir etwas zum zeigen haben, habe ich in den letzten Wochen eine Demo gemacht, um Architekten erklären zu können, warum unsere Technologie so viel besser ist als Zeichnungen und Holzmodelle. Dazu habe ich eines der bekanntesten Gebäude der Stadt (555 California Street, ehemaliges Hauptquartier der Bank of America) genommen, mich davor gestellt und die Details eingeprägt, ein paar Fotos davon gemacht, und mich dann zuhause dran gemacht, es im Detail nach zu bauen. Das hat, samt Programmierung der dazugehörigen Software, etwa sechs Wochen gedauert und ich werde wohl heute oder morgen damit fertig. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Hier ein paar Bilder davon:
Die Bilder sind natürlich alle anklickbar um sie zu vergrößern. Und die Architekturbüros, denen wir das Programm zeigen werden, können dann nun über den Vorplatz und durch das Erdgeschoß dieses Gebäudes laufen und sich alles ganz genau ansehen und werden begeistert davon sein und so etwas auch für ihre Bauprojekte haben wollen. So ist zumindest der Plan.
Lisa arbeitet in dieser Zeit mit Armin, unserem Kollegen in Deutschland, zusammen an einer iPhone-App (ein Programm für das Apple iPhone), die es Frauen ermöglichen soll, ihre Basaltemperatur im Auge zu behalten. Das ganze ist natürlich komplizierter als es klingt und eine Wissenschaft für sich, vor allem wenn man diese Sache zur Familienplanung einsetzen will. Und unser Programm soll einem dabei helfen, das System etwas zu vereinfachen und leichter benutzen zu können. Dazu aber später mehr, wenn es in ein paar wenigen Wochen marktreif wird.
Und ganz nebenbei, und nun kommt das eigentlich spannende Thema, sitzt Lisa noch über den Verträgen zu unserer neuen amerikanischen Corporation (= Aktiengesellschaft), die wir als Schwester zu unserer deutschen Firma gründen. Der Gründungsprozess an sich ist sehr viel einfacher (und kostengünstiger) als der in Deutschland, allerdings sind die Informationen hier sehr viel weiter gestreut und viel schwerer zusammen zu tragen. In Deutschland ist das Gesellschaftsrecht auf Bundesebene festgelegt und überall gleich. Hier hingegen kann jeder Staat selbst beschließen wie die einzelnen Regeln zu sein haben. Es gibt zwar seit einigen Jahren das Bestreben, die Regeln der einzelnen Staaten zumindest anzugleichen, besonders weit ist man mit diesem Prozess aber freilich noch nicht gekommen. Und deshalb bekommt man in keiner Buchhandlung einen Leitfaden, wie man in Kalifornien eine Corporation gründet, sondern immer nur, wie so etwas “in etwa” in allen Staaten abläuft. Die Details für Kalifornien muss man sich dann mühsam selbst zusammen tragen. Zwar bietet der Secretary of State (= Innenminister von Kalifornien, das zuständige Ministerium) einen Leitfaden und Eckpunkte, die man beachten soll, die Details selbst finden sich aber erst im California Corporations Code (= Gesetz zur Regelung von Kapitalgesellschaften in Kalifornien).
Wer schon ein mal einen deutschen Gesellschaftervertrag, eine Gesellschaftssatzung oder ähnliches in den Händen hatte wird sich beim Lesen vermutlich gedacht haben, dass so ein Amtsdeutsch schon schrecklich verschachtelt und kompliziert sein kann. So ging es mir zumindest bei der Verfassung der Verträge zu der deutschen Firma. Nichts hingegen, und das hätte ich ehrlich nie gedacht, schlägt Vertragsenglisch. Als Beispiel hier ein Satz, ich betone EIN EINZIGER Satz, aus einem Beispielvertrag:
“As used herein in respect of the right to notice of a meeting of stockholders or a waiver thereof or to participate or vote thereat or to consent or dissent in writing in lieu of a meeting, as the case may be, the term “share” or “shares” or “share of stock” or “shares of stock” or “stockholder” or “stockholders” refers to an outstanding share or shares of stock and to a holder or holders of record of outstanding shares of stock when the corporation is authorized to issue only one class of shares of stock, and said reference is also intended to include any outstanding share or shares of stock and any holder or holders of record of outstanding share or shares of stock of any class upon which or upon whom the certificate of incorporation confers such rights where there are two or more classes or series of shares of stock or upon which or upon whom the General Corporation Law confers such rights notwithstanding that the certificate of incorporation may provide for more than one class or series of shares of stock, one or more of which are limited or denied such rights thereunder; provided, however, that no such right shall vest in the event of an increase or a decrease in the authorized number of shares of stock of any class or series which is otherwise denied voting rights under the provisions of the certificate of incorporation, except as any provision of law may otherwise require.”
Noch Fragen?…
Lisa plagt sich jedenfalls durch den Papierkram und ist damit ebenfalls quasi fertig. Am kommenden Montag werden wir von Freunden nach Sacramento gefahren, der Hauptstadt von Kalifornien, damit wir alles abgeben können. Und 24 Stunden später sollte unsere kleine Corporation dann stehen.
An der privaten Front passiert zur Zeit so gut wie gar nichts, selbst für Ausflüge ist momentan nicht viel Zeit. Allerdings haben wir uns am vergangenen Samstag den Abend frei genommen und waren draussen am Point Lobos und den Sutro Baths, direkt an der Pazifikküste. Es war ein grandioser Abend und Lisa wird in Kürze die Fotos zur Betrachtung und Beneidung bereit stellen.
Und ich werde mich nun wieder an die Arbeit setzen, damit ich bald mal fertig werde – und das nächste Projekt anfangen kann.
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