Aug
10
2010
Incorporating Our Business
Author: LisaEs ist 5 Uhr morgens, der Wecker klingelt, und Familie Schindler krabbelt aus dem Bett um sich für den Trip nach Sacramento fertig zu machen. Es wird noch rudimentär im Halbschalf gefrühstückt, und dann schlendern wir durch das ver- oder benebelte (je nachdem wie man es sieht) San Francisco zur BART (By Area Rapid Transit) Station an der Powell Street. Mit der Bahn fahren wir dann durch die Bay (ja, durch einen Tunnel im Wasser) rüber nach Oakland, und sehen uns mal wieder bestätigt, dass die East Bay wirklich kein schöner Ort zum leben ist. Und dass da alle zwei Tage einer über den Haufen geschossen wird überrascht auch nicht wirklich. Knappe 50 Minuten später steigen wir an der Endhaltestelle, der “Final Destination” Pleasanton/Dublin aus und warten auf die Bigelows, die uns netterweise nach Sacramento fahren werden.
Uns plagt ein Bisschen das schlechte Gewissen, dass die zwei uns insgesamt vier Stunden (2 hin und zwei zurück, jeweils knapp 200 Meilen pro Richtung) durch die Gegend fahren. Deshalb gibt es auch eine Flasche Wein aus dem Lake County für die beiden, inklusive des Geldes für den Sprit, welches aber, wie vermutet, nicht angenommen wird. Da wir aber darauf bestehen, auch weil wir ihnen nicht das Gefühl geben wollen ihre (Gast-)Freundlichkeit auszunutzen, haben wir uns schließlich darauf geeinigt etwas mit dem Geld zusammen zu machen, wenn wir in zwei Wochen für ein paar Tage bei ihnen sind.
In Sacramento finden wir dann recht fix das Büro des Secretary of State, und während Susan und Tom einen Parkplatz suchen verschwinden Martin und ich im Gebäude. Total nervös ob unserer ersten richtigen Begegnung mit der amerikanischen Bürokratie zeigen wir bei der Empfangsdame unsere Greencards vor, und werden dann in den dritten Stock zu Zimmer 390 geschickt. Die Fahrstühle sind echt verdammt fix in dem Gebäude. Man drückt auf 3 und zwei Sekunden später geht die Tür wieder auf. Sehr seltsam.
Der Raum 390 entpuppt sich als kein wirklicher Raum, sondern eher als eine Art Theke mit Reihe zum anstellen. Nach einer Minute sind wir schon dran und tragen unser Anliegen vor. Zu unserer Überraschung sagt uns der Herr, dass alles 7-10 Tage Bearbeitungszeit benötigt. Und dafür müssen wir kurz mal in den vergangenen zwei Wochen kramen…
Ein per Post an das Büro des Secretary of State versandter Antrag auf Eintragung einer Firma dauert, nach der Webseite, momentan (also vor zwei Wochen als wir nachfragten) 58 Arbeitstage. Das war uns zu lange. Dementsprechend fragten wir nach Ausweichmöglichkeiten. Zum einen gibt es die Möglichkeit die Unterlagen vor Ort in Person für eine Gebühr von $15 einzureichen. Die Bearbeitung würde den per Post zugesandten Anträgen vorgezogen und sei (vor zwei Wochen) in eta 35 Tagen fertig.
Die nächste Möglichkeit wäre eine Gebühr von $350 (ebenfalls zusätzlich zu den $100 die der Antrag ohnehin kostet) um die Unterlagen in 24 Stunden durchschauen und bestätigen zu lassen. Es geht auch noch schneller, aber das war uns zu teuer.
Also fuhren wir nach Sacramento mit der Absicht $350 zu bezahlen und Ende dieser Woche die Unterlagen in den Händen zu halten, soweit denn alles in Ordnung ist. Denn man muss dazu sagen, dass das SoS nur die Gebühr von $15 oder z.B. $350 behält, no matter what, aber die $100 nicht einzieht, sollte der Antrag auf Incorporation abgelehnt werden. Innerhalb der letzten zwei Wochen scheint sich die Lage dort aber wieder sehr entspannt zu haben, denn uns wurde gesagt, dass wir für die $15-over-the-counter-Gebühr eine Wartezeit von 7-10 Arbeitstagen zu erwarten hätten. Auch als wir meinten, dass wir den Class C Service für $350 nutzen wollten, sagte uns der nette Herr dass, wenn es nicht allzusehr eilen würde wir eben nur die $15 zahlen müssten und um die $350 herumkämen.
Und da vor zwei Tagen Martins Grafikkarte abgeraucht ist und wir für knapp $400 eine neue bestellen mussten (weil er sonst ja nicht arbeiten kann), kam uns das ganz gelegen. Dementsprechend warten wir jetzt halt etwas länger, was aber nicht so tragisch ist, weil wir eh noch ein paar Dinge zu erledigen haben bevor es mit der Akquise losgehen kann (Webseite fertig machen, noch mehr potentielle Kunden raussuchen etc.). Das Ganze hat übrigens ca. 15 Minuten gedauert, und die Leute waren freundlich und hilfsbereit. Also alles in allem eine sehr positive Erfahrung, und ein Mal mehr wurde uns bewusst dass dieses Land von Unternehmern und nicht von Angestellten lebt. Denn der Aufwand für die UG & Co. KG in Deutschland war sehr viel komplizierter und langwieriger. Naja, jetzt drücken wir die Daumen dass niemand an den Unterlagen etwas auszusetzen hat und wir in etwa 10 Tagen die Bestätigung haben, dass wir erfolgreich “incorporated” sind.
Und was macht man, wenn man in Sacramento ist und der eigentliche Grund dort aufzuschlagen nach 15 Minuten durch ist? Richtig, man geht Arnie besuchen. Zumal der sich nur ca. 300 m entfernt vom Secretary of State im Capitol aufhält.
Ich hatte mal wieder meine Kamera nicht dabei, also musste Martins iPhone herhalten:
Wir waren natürlich auch drinnen, und erstmal dachte ich, dass das keine gute Idee ist. Wir mussten nämlich durch eine Sicherheitskontrolle, so wie am Flughafen, oder im Generalkonsulat in Frankfurt. Und ich wusste: ich hab mein Taschenmesser und das Reizgasspray in meiner Tasche. In Frankfurt wurde ich von einem der deutschen Sicherheitskräfte angeschaut als habe ich soeben versucht den amerikanischen Präsidenten persönlich zu attackieren, und so musste sowohl das Taschenmesser als auch das Reizgasspray ins Auto gebracht werden.
Mit etwas gemischten Gefühlen ging ich also auf eine der Sicherheitsbeamten zu und hielt mein Taschenmesser in der Hand. Auf die Frage hin, ob das ein Problem gäbe, lächelte man mich nur an und schüttelte den Kopf. Etwas verwirrt steckte ich das Taschenmesser wieder ein, meine Tasche wanderte durch das Röntgengerät, und auch das Reizgasspray war kein Problem. Anstandslos schritt ich durch den Metalldetektor und durfte all meine Tasche wieder an mich nehmen. Bei Martin piepte es allerdings – das iPhone wurde vom Metalldetektor bemerkt
Danach haben wir uns das wirklich majestätische Capitol von innen angeschaut, und das ist wirklich sehenswert. Da das iPhone leider noch kein iPhone 4 ist haben wir kein HD Foto und auch kein Blitz, deswegen hab ich nur eine Sache drinnen fotografiert. Für den Rest müssen Bilder von anderen herhalten, um einen Eindruck zu bekommen.
So kann man sich das gesamt Gebäude vorstellen, viele Details, Mosaikböden, Stuck an den Decken und Bordüren, massive, verschnörkelte und aufwendig geschnitzte Geländer aus dunklem Holz, viele Gemälde von bekannten, einflussreichen Politikern, Marmor an den Wänden und viele Skulpturen. Inmitten alldessen befindet sich auch ein Museum, das sind die alten Büros des Gouverneurs und seinen Angestellten, wie es im späten 18ten, bzw. frühen 19ten Jahrhundert ausgesehen hat:
Was man auf dem Bild leider nicht sehen kann ist etwas, das uns verwirrt hat: alle Lampen die auf den Schreibtischen standen waren mit einem Kabel an einer Lampenfassung der Deckenkronleuchter befestigt und bekamen dadurch Strom. Warum? Martin vermutet, dass diese Zimmer vermutlich so belassen wurden und keine Steckdosen haben. Wer weiß, vielleicht stimmt es ja.
Schön war auch diese massive Safetür – da muss man lange feilen bis die offen ist:
Und das hier ist besagtes Treppengeländer, das mich sehr fasziniert hat, genauso wie die hohen, dunklen, massiven aber eleganten Eingangstüren aus Holz, die in jedes der Zimmer führte:
Ganz zum Schluss kommt man dann auch bei Arnie’s Büro vorbei, und er war auch drinnen, sonst hätte kein Sicherheitsbeamter davorgestanden. Aber leider kam er nicht raus. Dafür hat wohl der Sicherheitsbeamte den kleinen Kinder erzählt, dass der Bär (die Bronzeskulptur die vor dem Büro steht) wohl “Bacteria Bear” oder so heißt. Und das deswegen, weil der den ganzen Tag von vielen Leuten angepatscht und angehustet wird… armer Bär.
Danach ging es zurück zu den Bigelows nach Sunnyvale, aber wir haben einen ganz schönen Umweg gemacht, weil sie uns noch so viel gezeigt haben. Ein sehr schöner Trip, besonders die Church Rd bei Rio Vista wird uns durch die gratis Rückenmassage in Erinnerung bleiben, unser “großer U-Turn”. Kleiner Insider am Rande
In Sunnyvale wurde dann noch nett zusammengesessen, man unterhielt sich über San Francisco, den Tenderloin und die Obdachlosen und wie man sich wohl am besten verhält, und ob wir uns dort sicher fühlen, dann wurde gegrillt und gegessen und wir machten uns gegen 7 Uhr abends wieder auf den Heimweg nach San Francisco. Etwas ironisch an unserer Diskussion über die Sicherheit unserer Wohngegend war, dass wir meinten, dass die Geary Street die oberhalb unserer Wohnung die Leavenworth Street kreuzt, vor 12 Uhr nachts eigentlich noch ganz in Ordnung ist. Wir meiden meistens die O’Farrel (die Parallelstraße eine weiter unterhalb der Geary), auch tagsüber, wegen der seltsamen Gestalten dort.
Little did we know, dass auf der Geary Ecke Mason, also… aus unserer Haustür raus, rechts den Hügel 20 Meter hoch bis zur Geary und dann drei Blocks weiter unten am Vorabend eine Frau erschossen wurde, die wohl unabsichtlich zwischen die Fronten einer Schießerei geraten war. Da wir an diesem Abend vermutlich aber noch unter Kopfhörern gearbeitet haben wundert es mich nicht, dass wir nichts gehört haben. Trotzdem, auch wenn uns die Penhandler nerven und man sie am besten einfach ignoriert anstatt sich auf eine Diskussion mit ihnen einzulassen, ist es eher eine Ausnahme, dass hier Schießereien stattfinden. Dementsprechend würde ich es nicht verschreien, und Sorgen mache ich mir auch nicht. Abends sind wir ohnehin sehr, sehr selten unterwegs, und wenn, dann versuchen wir eh so wenig wie möglich in den Tenderloin zu gelangen (auch tagsüber), bevor wir zur Wohnung kommen. Aber man kann es nie wissen. Auch in Bonn wurde auf dem B.-v.-S.-Platz gegenüber vom WOKI herum geschossen, und in Köln, Tannenbusch oder Sankt Augustin werden nachts Leute abgestochen. Solange wir nicht in Oakland wohnen, wo wirklich alle zwei Tage einer erschossen wird, wollen wir nicht die Pferde scheu machen. Wir werden jetzt alles dransetzen dass die Firma gut anläuft, und dann können wir vielleicht in 10 Monaten in die South Bay ziehen. Aber dafür brauchen wir ein Auto, ohne geht das nicht. Und ansonsten können wir vielleicht vorher in einen anderen Bezirk ziehen. Wir werden sehen.






