Archive for the ‘Gedanken’ Category

Es ist 5 Uhr morgens, der Wecker klingelt, und Familie Schindler krabbelt aus dem Bett um sich für den Trip nach Sacramento fertig zu machen. Es wird noch rudimentär im Halbschalf gefrühstückt, und dann schlendern wir durch das ver- oder benebelte (je nachdem wie man es sieht) San Francisco zur BART (By Area Rapid Transit) Station an der Powell Street. Mit der Bahn fahren wir dann durch die Bay (ja, durch einen Tunnel im Wasser) rüber nach Oakland, und sehen uns mal wieder bestätigt, dass die East Bay wirklich kein schöner Ort zum leben ist. Und dass da alle zwei Tage einer über den Haufen geschossen wird überrascht auch nicht wirklich. Knappe 50 Minuten später steigen wir an der Endhaltestelle, der “Final Destination” Pleasanton/Dublin aus und warten auf die Bigelows, die uns netterweise nach Sacramento fahren werden.

Uns plagt ein Bisschen das schlechte Gewissen, dass die zwei uns insgesamt vier Stunden (2 hin und zwei zurück, jeweils knapp 200 Meilen pro Richtung) durch die Gegend fahren. Deshalb gibt es auch eine Flasche Wein aus dem Lake County für die beiden, inklusive des Geldes für den Sprit, welches aber, wie vermutet, nicht angenommen wird. Da wir aber darauf bestehen, auch weil wir ihnen nicht das Gefühl geben wollen ihre (Gast-)Freundlichkeit auszunutzen, haben wir uns schließlich darauf geeinigt etwas mit dem Geld zusammen zu machen, wenn wir in zwei Wochen für ein paar Tage bei ihnen sind.

In Sacramento finden wir dann recht fix das Büro des Secretary of State, und während Susan und Tom einen Parkplatz suchen verschwinden Martin und ich im Gebäude. Total nervös ob unserer ersten richtigen Begegnung mit der amerikanischen Bürokratie zeigen wir bei der Empfangsdame unsere Greencards vor, und werden dann in den dritten Stock zu Zimmer 390 geschickt. Die Fahrstühle sind echt verdammt fix in dem Gebäude. Man drückt auf 3 und zwei Sekunden später geht die Tür wieder auf. Sehr seltsam.

Der Raum 390 entpuppt sich als kein wirklicher Raum, sondern eher als eine Art Theke mit Reihe zum anstellen. Nach einer Minute sind wir schon dran und tragen unser Anliegen vor. Zu unserer Überraschung sagt uns der Herr, dass alles 7-10 Tage Bearbeitungszeit benötigt. Und dafür müssen wir kurz mal in den vergangenen zwei Wochen kramen…

Ein per Post an das Büro des Secretary of State versandter Antrag auf Eintragung einer Firma dauert, nach der Webseite, momentan (also vor  zwei Wochen als wir nachfragten) 58 Arbeitstage. Das war uns zu lange. Dementsprechend fragten wir nach Ausweichmöglichkeiten. Zum einen gibt es die Möglichkeit die Unterlagen vor Ort in Person für eine Gebühr von $15 einzureichen. Die Bearbeitung würde den per Post zugesandten Anträgen vorgezogen und sei (vor zwei Wochen) in eta 35 Tagen fertig.

Die nächste Möglichkeit wäre eine Gebühr von $350 (ebenfalls zusätzlich zu den $100 die der Antrag ohnehin kostet) um die Unterlagen in 24 Stunden durchschauen und bestätigen zu lassen. Es geht auch noch schneller, aber das war uns zu teuer.

Also fuhren wir nach Sacramento mit der Absicht $350 zu bezahlen und Ende dieser Woche die Unterlagen in den Händen zu halten, soweit denn alles in Ordnung ist. Denn man muss dazu sagen, dass das SoS nur die Gebühr von $15 oder z.B. $350 behält, no matter what, aber die $100 nicht einzieht, sollte der Antrag auf Incorporation abgelehnt werden. Innerhalb der letzten zwei Wochen scheint sich die Lage dort aber wieder sehr entspannt zu haben, denn uns wurde gesagt, dass wir für die $15-over-the-counter-Gebühr eine Wartezeit von 7-10 Arbeitstagen zu erwarten hätten. Auch als wir meinten, dass wir den Class C Service für $350 nutzen wollten, sagte uns der nette Herr dass, wenn es nicht allzusehr eilen würde wir eben nur die $15 zahlen müssten und um die $350 herumkämen.

Und da vor zwei Tagen Martins Grafikkarte abgeraucht ist und wir für knapp $400 eine neue bestellen mussten (weil er sonst ja nicht arbeiten kann), kam uns das ganz gelegen. Dementsprechend warten wir jetzt halt etwas länger, was aber nicht so tragisch ist, weil wir eh noch ein paar Dinge zu erledigen haben bevor es mit der Akquise losgehen kann (Webseite fertig machen, noch mehr potentielle Kunden raussuchen etc.). Das Ganze hat übrigens ca. 15 Minuten gedauert, und die Leute waren freundlich und hilfsbereit. Also alles in allem eine sehr positive Erfahrung, und ein Mal mehr wurde uns bewusst dass dieses Land von Unternehmern und nicht von Angestellten lebt. Denn der Aufwand für die UG & Co. KG in Deutschland war sehr viel komplizierter und langwieriger. Naja, jetzt drücken wir die Daumen dass niemand an den Unterlagen etwas auszusetzen hat und wir in etwa 10 Tagen die Bestätigung haben, dass wir erfolgreich “incorporated” sind.

Und was macht man, wenn man in Sacramento ist und der eigentliche Grund dort aufzuschlagen nach 15 Minuten durch ist? Richtig, man geht Arnie besuchen. Zumal der sich nur ca. 300 m entfernt vom Secretary of State im Capitol aufhält.

Ich hatte mal wieder meine Kamera nicht dabei, also musste Martins iPhone herhalten:

Wir waren natürlich auch drinnen, und erstmal dachte ich, dass das keine gute Idee ist. Wir mussten nämlich durch eine Sicherheitskontrolle, so wie am Flughafen, oder im Generalkonsulat in Frankfurt. Und ich wusste: ich hab mein Taschenmesser und das Reizgasspray in meiner Tasche. In Frankfurt wurde ich von einem der deutschen Sicherheitskräfte angeschaut als habe ich soeben versucht den amerikanischen Präsidenten persönlich zu attackieren, und so musste sowohl das Taschenmesser als auch das Reizgasspray ins Auto gebracht werden.

Mit etwas gemischten Gefühlen ging ich also auf eine der Sicherheitsbeamten zu und hielt mein Taschenmesser in der Hand. Auf die Frage hin, ob das ein Problem gäbe, lächelte man mich nur an und schüttelte den Kopf. Etwas verwirrt steckte ich das Taschenmesser wieder ein, meine Tasche wanderte durch das Röntgengerät, und auch das Reizgasspray war kein Problem. Anstandslos schritt ich durch den Metalldetektor und durfte all meine Tasche wieder an mich nehmen. Bei Martin piepte es allerdings – das iPhone wurde vom Metalldetektor bemerkt ;)

Danach haben wir uns das wirklich majestätische Capitol von innen angeschaut, und das ist wirklich sehenswert. Da das iPhone leider noch kein iPhone 4 ist haben wir kein HD Foto und auch kein Blitz, deswegen hab ich nur eine Sache drinnen fotografiert. Für den Rest müssen Bilder von anderen herhalten, um einen Eindruck zu bekommen.

So kann man sich das gesamt Gebäude vorstellen, viele Details, Mosaikböden, Stuck an den Decken und Bordüren, massive, verschnörkelte und aufwendig geschnitzte Geländer aus dunklem Holz, viele Gemälde von bekannten, einflussreichen Politikern, Marmor an den Wänden und viele Skulpturen. Inmitten alldessen befindet sich auch ein Museum, das sind die alten Büros des Gouverneurs und seinen Angestellten, wie es im späten 18ten, bzw. frühen 19ten Jahrhundert ausgesehen hat:

Was man auf dem Bild leider nicht sehen kann ist etwas, das uns verwirrt hat: alle Lampen die auf den Schreibtischen standen waren mit einem Kabel an einer Lampenfassung der Deckenkronleuchter befestigt und bekamen dadurch Strom. Warum? Martin vermutet, dass diese Zimmer vermutlich so belassen wurden und keine Steckdosen haben. Wer weiß, vielleicht stimmt es ja.

Schön war auch diese massive Safetür – da muss man lange feilen bis die offen ist:

Und das hier ist besagtes Treppengeländer, das mich sehr fasziniert hat, genauso wie die hohen, dunklen, massiven aber eleganten Eingangstüren aus Holz, die in jedes der Zimmer führte:

Ganz zum Schluss kommt man dann auch bei Arnie’s Büro vorbei, und er war auch drinnen, sonst hätte kein Sicherheitsbeamter davorgestanden. Aber leider kam er nicht raus. Dafür hat wohl der Sicherheitsbeamte den kleinen Kinder erzählt, dass der Bär (die Bronzeskulptur die vor dem Büro steht) wohl “Bacteria Bear” oder so heißt. Und das deswegen, weil der den ganzen Tag von vielen Leuten angepatscht und angehustet wird… armer Bär.

Danach ging es zurück zu den Bigelows nach Sunnyvale, aber wir haben einen ganz schönen Umweg gemacht, weil sie uns noch so viel gezeigt haben. Ein sehr schöner Trip, besonders die Church Rd bei Rio Vista wird uns durch die gratis Rückenmassage in Erinnerung bleiben, unser “großer U-Turn”. Kleiner Insider am Rande :)

In Sunnyvale wurde dann noch nett zusammengesessen, man unterhielt sich über San Francisco, den Tenderloin und die Obdachlosen und wie man sich wohl am besten verhält, und ob wir uns dort sicher fühlen, dann wurde gegrillt und gegessen und wir machten uns gegen 7 Uhr abends wieder auf den Heimweg nach San Francisco. Etwas ironisch an unserer Diskussion über die Sicherheit unserer Wohngegend war, dass wir meinten, dass die Geary Street die oberhalb unserer Wohnung die Leavenworth Street kreuzt, vor 12 Uhr nachts eigentlich noch ganz in Ordnung ist. Wir meiden meistens die O’Farrel (die Parallelstraße eine weiter unterhalb der Geary), auch tagsüber, wegen der seltsamen Gestalten dort.

Little did we know, dass auf der Geary Ecke Mason, also… aus unserer Haustür raus, rechts den Hügel 20 Meter hoch bis zur Geary und dann drei Blocks weiter unten am Vorabend eine Frau erschossen wurde, die wohl unabsichtlich zwischen die Fronten einer Schießerei geraten war. Da wir an diesem Abend vermutlich aber noch unter Kopfhörern gearbeitet haben wundert es mich nicht, dass wir nichts gehört haben. Trotzdem, auch wenn uns die Penhandler nerven und man sie am besten einfach ignoriert anstatt sich auf eine Diskussion mit ihnen einzulassen, ist es eher eine Ausnahme, dass hier Schießereien stattfinden. Dementsprechend würde ich es nicht verschreien, und Sorgen mache ich mir auch nicht. Abends sind wir ohnehin sehr, sehr selten unterwegs, und wenn, dann versuchen wir eh so wenig wie möglich in den Tenderloin zu gelangen (auch tagsüber), bevor wir zur Wohnung kommen. Aber man kann es nie wissen. Auch in Bonn wurde auf dem B.-v.-S.-Platz gegenüber vom WOKI herum geschossen, und in Köln, Tannenbusch oder Sankt Augustin werden nachts Leute abgestochen. Solange wir nicht in Oakland wohnen, wo wirklich alle zwei Tage einer erschossen wird, wollen wir nicht die Pferde scheu machen. Wir werden jetzt alles dransetzen dass die Firma gut anläuft, und dann können wir vielleicht in 10 Monaten in die South Bay ziehen. Aber dafür brauchen wir ein Auto, ohne geht das nicht. Und ansonsten können wir vielleicht vorher in einen anderen Bezirk ziehen. Wir werden sehen.

“They had it coming.”

Author: Martin

Auch wenn ich nun nicht mehr in Deutschland wohne, lese ich doch weiterhin ausgiebig meine beiden deutschen Nachrichtenquellen zeit.de und tagesschau.de. Man will ja informiert bleiben, auch aus der Ferne.

Nun brachte mich aber heute Morgen wieder einmal eine Überschrift auf die Palme: Schwarz-Gelb will hohe Einkommen stärker belasten

In dem Artikel lese ich, dass sich in Deutschland wohl mal wieder eine Debatte um die Anhebung des Spitzensteuersatzes zu entwickeln scheint. Die SPD in Form von Sigmar Gabriel und Carsten Schneider wünscht sich einen Spitzensteuersatz von 50 Prozent, der bei etwa 80.000 Euro Jahreseinkommen greifen soll. Auch die FDP in Form von Frau Leutheusser-Schnarrenberger scheint nicht mehr dagegen zu sein, da ist von “Umverteilung” die Rede, um die mittleren und niedrigen Einkommen des Landes zu entlasten und nur Jörg Bode rettet mein Ansehen der FDP indem er sagt, dass eine Anhebung des Spitzensteuersatzes in seiner Fraktion keine Mehrheit fände.

Nun geht es mir mit diesem Blogeintrag nur am Rande um die irrsinnige Idee, die Hälfte des Einkommens eines “Spitzenverdieners” durch die Einkommensteuer abzunehmen. Zusätzlich zu all den anderen Steuern wie Gewerbesteuer, Mehrwertsteuer, Mineralöl- und Ökosteuer oder Grundsteuer und vermutlich bald noch eine höhere Finanzmarktsteuer liegt dann die gesamte Steuerbelastung bei weit über zwei Dritteln des Einkommens. Die Kaufkraft für Waren, eine Grundlage des in Deutschland herrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystems, liegt dann nur noch bei 25 bis 30% des gesamten Einkommens. – Und da haben sich die Leibeigenen des Mittelalters über das Zehnt beschwert…

Worum es mir eigentlich geht, ist die gefühlte Beobachtung, dass ich seit über einem Jahr nur noch lese, dass sich der deutsche Staat Gedanken macht, wie er an noch mehr Geld kommt. Ich lese nichts mehr über ernst gemeinte Reformen des Gesundheitssystems. Ich lese auch nichts mehr über Kindergartenplätze, Straßenbau, über Umwelt- und Energiefragen. Und natürlich lese ich erst recht nichts darüber, dass sich der Staat ernsthaft (und nicht nur Augenwischereien wie das Herunterskalieren eines Berliner Stadtschlosses) Gedanken macht, wie er seine eigenen Ausgaben in den Griff bekommt. Was ich lese sind immer noch mehr Ausgaben, Bürgschaften, Kredite, Subventionen und dergleichen.

In meinen Augen hat der deutsche Staat mit den Jahren vergessen, was seine Aufgabe ist. Die Aufgaben des Staates sind nach meiner Überzeugung die Sicherung der inneren und äußeren Sicherheit, der Verhinderung von Ungleichbehandlungen im Volk, sowohl privat als auch wirtschaftlich, und der Gerichtsbarkeiten.

Es ist nicht die Aufgabe des Staates für Subventionen zu sorgen. Wenn zum Beispiel ein Milchbauer in Frankreich seine Milch nicht kosteneffizient genug herstellen kann, dann muss eben die Milch teurer oder woanders gekauft werden. Hierzulande kostet der Liter Milch umgerechnet etwa 77 Euro-Cent (3,59 $ pro Gallone). In Deutschland ebenfalls. Hier wird die Milch nicht subventioniert, in Europa schon. Irgendetwas läuft dort also falsch. Und genauso verhält es sich mit Käse, Butter und anderen Milchprodukten.

Die Postfilialen sehen hier nicht aus als wollten sie Designerpreise gewinnen, sondern sind dunkle, einfach eingerichtete Ladenlokale mit trotzdem gut gelaunten Mitarbeitern, die einfach nur ihren Job machen. Hier kostet ein nationaler Brief bis 25 Gramm Gewicht umgerechnet 36 Euro-Cent, in Deutschland 55 Cent. Ein internationaler Brief kostet hier umgerechnet 79 Euro-Cent, in Deutschland 1,70 Euro. Auch hier läuft also etwas falsch.

Busfahrten: Hier sind die Busse vergleichsweise alt. Sie sind aber gepflegt und machen ihren Dienst, bringen einen von A nach B. In Deutschland wird hingegen heutzutage kein Bus mehr älter als zehn Jahre. Der öffentliche Nahverkehr ist eine Einrichtung der Gemeinden sowohl in Deutschland als auch hier. In Deutschland fällt für eine einfache innerstädtische Fahrt, zumindest im Köln-Bonner Raum, 2,40 Euro an. Und das ist nur in eine Fahrtrichtung, wenn man wieder zurück will kostet die Fahrt noch einmal 2,40. Hier in San Francisco, einer der teuersten Städte in den USA, kostet eine Busfahrt umgerechnet 1,41 Euro. Und dieses Busticket gilt so lange, wie der Fahrer es abreisst. (Zur Erklärung: Die so genannten “Transfers” haben Zeitspannen aufgedruckt. Je nach dem, an welcher Stelle sie durchgerissen werden, gelten sie entsprechend bis zur durch den Riss markierten Uhrzeit.) Meistens reissen die Fahrer es so ungenau ab, das man manchmal bis zu vier Stunden lang mit dem Transfer weiter fahren kann. In jede Richtung, die man will. Auch hier läuft also in Deutschland etwas gewaltig falsch.

Ämter sehen hier teilweise aus als hätten sie seit 1965 keine Renovierung mehr bekommen. Manche Amtsbuden sind sogar so alt, dass sie schon wieder als “vintage” gelten und man stolz auf die alte Einrichtung von 1920 ist. Die “Beamten” (gibt es hier ja nicht, sind alles Angestellte im öffentlichen Dienst) sind trotzdem freundlich, gut gelaunt und helfen einem an sein Ziel. In Deutschland genießt der Beamtenstand einen weltweit wohl einzigartigen Status der Unbeschwertheit und hat wohl deshalb auch keine Motivation, gute oder gar freundliche Arbeit zu leisten.

Die Straßenkehrer fahren hier in der Innenstadt alle zwei bis drei Tage die Straßen und Gehwege ab, die Müllabfuhr kommt wöchentlich und fast alle Amtsgänge (mit Ausnahme von Angelegenheiten Firmen betreffend) sind kostenlos.

Ich könnte mit den Beispielen noch seitenweise fortfahren.

Was ich sagen will ist NICHT dass hier alles besser sei. Ganz und gar nicht. Auch hier gibt es genügend Dinge, die dringend überarbeitet werden müssten. Ein TÜV wäre zum Beispiel eine praktische Einrichtung. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das man hier nicht so viel Wert auf das Drum Herum legt als auf eine gute und angemessene Leistung. Man spart hier an Dingen, die nicht notwendig sind um den Geschäftsverkehr am Laufen zu halten, muss dafür aber auch nicht so viel Geld (und Steuern) verlangen.

Zum Beispiel habe ich vor einigen Wochen erfahren, dass ich scheinbar pauschal 15% meines gesamten weltweiten Einkommens in Deutschland versteuern muss, auch wenn ich dort keinen Wohnsitz mehr habe, solange ich in Deutschland ein Einkommen habe, was durch meine deutsche Firma ja der Fall ist. Ich habe keinerlei Dinge mehr mit deutschen Ämtern zu tun, die Geld kosten würden, wenn man davon ausgeht, dass meine Gewerbesteuerabgaben in Deutschland die Finanzämter in ausreichendem Maße für Ihren Aufwand, den sie durch mich haben, entschädigt. Ich nutze keine deutschen Straßen, keine Bahnen, anderen Ämter, keine Kindergärten und Schulen, keine Müllabfuhr und keine Straßenreinigung. Alles, was bei mir anfällt, ist in acht Jahren ein neuer Pass, und der wird wohl nicht mehr benötigt, weil ich bis dahin hoffentlich die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen haben werde. 15% meines weltweiten Einkommens – für null Gegenleistung. Das ist, wie die Bild sagen würde, Abzocke. Der einzige Lichtblick dabei ist, dass die Amerikaner kulant genug sind, mir diese deutsche Steuerlast bei der hiesigen anrechnen zu lassen. Aber dafür haben die weniger von dem Geld, das ihnen meiner Meinung nach zusteht, denn hier benötige ich die Straßen, Straßenreinigung, Müllabfuhr, Ämter und alles andere.

Und da wundert sich Deutschland noch, warum eine große Menge hochausgebildeter Menschen und damit Fachkräfte abwandern? Wie die Amis sagen würden: “They had it coming.” – Die haben es nicht anders verdient.

Hallo, San Francisco!

Author: Martin

Wir sind angekommen.

Wir sind gejetlagged.

Wir sind aufgeregt.

Wir sind ein wenig verängstigt.

Wir sind hier richtig.

Wir waren gestern zum (vorerst) letzten mal bei unserem bönnschen Lieblingschinesen. Nach dem Essen gab es den obligaten Glückskeks. In meinem stand sehr passend folgendes:

“Laß Vergangenheit Vergangenheit sein – jetzt ist die Zeit für einen Neubeginn.”

Wird gemacht!

Dalsey, Hillblom and Lynn

Author: Martin

…oder kurz DHL, unser geliebter bönnscher “World Net”-Konzern.

Wir sandten dieser Tage einen 200 Gramm leichten, nachverfolgbaren Express-Brief der Größe C4 von Bonn nach San Francisco, der nach Aussage des Schalterpersonals in zwei Tagen angekommen sein wird. Optimaler Service, also.

Gedauert hat es dann drei Tage, weil das Mistding fast einen ganzen Tag in Leipzig herum lag und Staub fing, und gekostet hat der Spaß irrsinnige 52 Euro.

Ich habe ausgerechnet, dass man mich, wenn ich mich in 200g-Scheiben schneiden lasse, für rund 31.200 Euro per DHL Express nach San Francisco schicken lassen könnte. – Also für das Geld fliege ich lieber nen Round-Trip 1st Class und bring den Brief persönlich. Und dann war er nur etwas mehr als 16 Stunden unterwegs und ich hab nen Champagner zur Begrüßung bekommen und feinsten Caviar schnabuliert. (Ih gitt!)

UPS will übrigens über 300 Euro für den Versand eines iMac von Bonn nach San Francisco. Unversichert.

Plötzlich habe ich Mitleid mit der Preispolitik der Airlines. Die sollten auf Luftfracht umsteigen, da scheint das Geld zu liegen. Ich werde mich jedenfalls nicht mehr über die 35 Euro für ein weiteres Gepäckstück bis 70 Pfund aufregen, die United seit letztem Jahr verlangt. – Leute, das ist günstig!