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Unser erstes Beben?

Author: Martin

Wir scheinen heute unser erstes kleineres Erdbeben verschlafen zu haben. Aber außer ein wenig wackelnden Gläsern in den Schränken und einem vorübergehenden Stopp der U-Bahnen ist laut Nachrichten nichts weiter passiert.

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Viel Zeit haben wir mit Recherche verbracht. Eine Unmenge an Informationen wurden angesammelt. Über örtliche Begebenheiten wie die Kulturlandschaft, lokale Steuern, Arbeitslosenzahlen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Klima, Erholungsmöglichkeiten, öffentliche Verkehrsmittel und allerhand anderer statistischer Dinge wie das lokale Durchschnittseinkommen oder Kriminalitätsraten. In die USA-Karte, die wir an die Wand hingen um den Überblick nicht zu verlieren, haben wir 25 Pins gesteckt, jeder einzelne für einen potentiellen Wohnort. Aus Zeitgründen konnten wir hier leider nicht über alle schreiben.

Neben den im großen Wohnort-Check bereits ausführlich beschriebenen Städten wie San Francisco (CA), New Haven (CT), Portland (OR) und New York (NY) haben wir uns noch dutzende andere Städte angesehen und als mögliche Wohnorte mit einem Pin markiert. Darunter unter anderem Orte wie Charlotte (NC), Phoenix (AZ), Flagstaff (AZ), Las Vegas (NV), Eugene (OR), Boston (MA), Chico (CA), Carson City (NV), Santa Rosa (CA), Woodland (CA), Sacramento (CA), San Luis Obispo (CA), Salinas (CA), San Diego (CA), San Jose (CA), Los Angeles (CA), Berkeley (CA), Napa (CA) und vor allem Paradise (CA).

Zwischenzeitig waren wir uns schon recht sicher, dass es Portland wird. Aber am Ende fehlte einfach das gute Gefühl bei der Sache. Das gewisse Etwas. Der X-Faktor.

Letztendlich ist aber vor einigen Tagen nun endlich die Entscheidung gefallen. Wir haben unseren zukünftigen Wohnort gefunden. Er entspricht unseren Vorstellungen und Erwartungen an das Klima, die beruflichen Chancen, unseren Ansprüchen an kultureller Vielfalt und allerhand andere wichtige und weniger wichtige Dinge. Und er hat dieses gewisse Etwas, das allen anderen potentiellen Wohnorten gefehlt hat. Dieses gute Gefühl. Diesen X-Faktor.

Und darum geben wir hiermit bekannt, unser künftiger Wohnort wird ab dem 01. Juni 2010 sein:

Bekanntmachung

Author: Martin

Bekanntmachung: Umzugsdatum

Es ist 8 Uhr morgens, der Wecker klingelt. So schnell war mein Schatz schon lange nicht mehr aus dem Bett gesprungen ;) Da ich allerdings die letzten paar Tage um 6:30 bzw. um 7 Uhr hatte aufstehen müssen, durfte ich noch etwas liegen bleiben.

Warum aber die Eile? Um den Postboten abzufangen, schließlich erwarteten wir Post. Wichtige Post.

Nach einer halben Stunde trieb es dann auch mich aus dem Bett, ein bisschen gedöst hatte ich noch, aber nun war es auch genug. Außerdem war ich gespannt, ob der Briefträger mal klingeln würde, oder direkt, ohne nachzuschauen ob jemand zu Hause ist, einen Zettel mit Benachrichtigung über einen abzuholenden Brief in den Briefkasten werfen würde. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass dieser Vermutung keine willkürliche Boshaftigkeit meinerseits zugrundeliegt, sondern lediglich Tatsachen. Denn genau das ist uns schön häufiger passiert. Man findet einen Zettel vor, dass man bitte irgendein Paket o.Ä. bei der Poststelle abholen soll. Und man steht da und fragt sich in welchem Zeitkontinuum sich der Postbote befindet, schließlich war man die ganze Zeit anwesend wonder

Aber ich entferne mich gerade vom Thema. DENN…

Wir haben unsere Reisepässe wieder, und die haben einen tollen Aufkleber, auch gerne mal Visum flag genannt *froi* *Konfetti wirf* celebrate

Zu unseren Reisepässen bekamen wir auch noch zwei versiegelte Umschläge mit unseren Dokumenten, die wir dann dem Grenzbeamten bei der Einreise unversehrt übergeben müssen. Und wenn das Blatt hinten abfällt ist das Visum ungültig. Ja, so schnell kann’s gehen. Vor dem 13. Oktober müssen wir eingereist sein, ansonsten verfällt das Visum automatisch. Also: bald Flüge buchen!

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Um fünf Uhr ging es los, heute Morgen, mit dem Mietwagen nach Frankfurt. Heute war unser Vorsprechtermin beim Consulate General. Und kurz gesagt: Wir haben die Visa!

Ich konnte vor lauter Nervosität in der vergangenen Nacht kaum schlafen. Tausende Szenarien spielten sich vor meinem inneren Auge ab. Formulare, die ich vergessen haben könnte. Zeugnisse, die ich nicht habe übersetzen lassen. Habe ich wirklich einen Highschool-Abschluss oder was vergleichbares oder besseres? Haben wir den richtigen Dollar-Betrag gewechselt, um die Gebühr zu bezahlen? Habe ich alle Formulare richtig ausgefüllt und nichts vergessen? Ist mein Reisepass noch lange genug gültig, um das Visum aufnehmen zu können? Ob die Passfotos wohl so wie sie sind korrekt gemacht sind? Und was passiert, wenn etwas nicht genau stimmt, verlieren wir unsere Chance und die doch recht beachtlichen Gebühren, die man nicht zurückerstattet bekommt? Geht dann all die Zukunftsplanung den Bach runter, weil ich vielleicht irgendwo in einem der von mir hundertfach nochmals überprüften Formulare ein Kreuzchen falsch gesetzt habe? – Und es wurde später und später und ich einfach nicht müder. Irgendwann bin ich dann aber doch eingeschlafen. Es muss gefühlte Minuten vor dem Klingeln des Weckers gewesen sein.

Also rein ins Auto und ab nach Frankfurt zum Consulate General. Das Gebäude an der Giessener Strasse ist recht einfach zu finden und sieht von aussen aus wie ein Gefängnis. Sehr sauber und gepflegt zwar, wie man es von den USA gewohnt ist, aber mit seiner hohen Umzäunung, den Wachpolizisten und dem Einfangshäuschen eben wie ein Gefängnis.

Wir hatten unseren Termin um 8 Uhr morgens, waren aber wegen des vergleichsweise ruhigen Verkehrs schon um kurz nach sieben Uhr da. Vor dem Consulate hat sich noch keine Schlange gebildet, tatsächlich war alles sehr ruhig aber bereits jede Position besetzt.

Den Haupteingang zum doch sehr weitläufigen Consulate-Gelände besteht aus einem kleinen freistehenden Haus. An der linken Seite des kleinen Hauses sind zwei Schalterfenster mit jeweils einem Beamten. Diese Beamten prüfen die Reisepässe und ob man eine Einladung hat, ohne die man nicht auf das Gelände kommt. Man bekommt seine Nummer, die einen den Tag durch begleiten wird, eine Art Passierschein (eine grüne Karte mit einem grossen, weissen ‘A’ darauf) und seine Pässe zurück. Mit diesen Dingen geht man weiter am Häuschen entlang nach rechts zum eigentlichen Eingang…

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