Archive for the ‘WOC’ Category

Viel Zeit haben wir mit Recherche verbracht. Eine Unmenge an Informationen wurden angesammelt. Über örtliche Begebenheiten wie die Kulturlandschaft, lokale Steuern, Arbeitslosenzahlen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Klima, Erholungsmöglichkeiten, öffentliche Verkehrsmittel und allerhand anderer statistischer Dinge wie das lokale Durchschnittseinkommen oder Kriminalitätsraten. In die USA-Karte, die wir an die Wand hingen um den Überblick nicht zu verlieren, haben wir 25 Pins gesteckt, jeder einzelne für einen potentiellen Wohnort. Aus Zeitgründen konnten wir hier leider nicht über alle schreiben.

Neben den im großen Wohnort-Check bereits ausführlich beschriebenen Städten wie San Francisco (CA), New Haven (CT), Portland (OR) und New York (NY) haben wir uns noch dutzende andere Städte angesehen und als mögliche Wohnorte mit einem Pin markiert. Darunter unter anderem Orte wie Charlotte (NC), Phoenix (AZ), Flagstaff (AZ), Las Vegas (NV), Eugene (OR), Boston (MA), Chico (CA), Carson City (NV), Santa Rosa (CA), Woodland (CA), Sacramento (CA), San Luis Obispo (CA), Salinas (CA), San Diego (CA), San Jose (CA), Los Angeles (CA), Berkeley (CA), Napa (CA) und vor allem Paradise (CA).

Zwischenzeitig waren wir uns schon recht sicher, dass es Portland wird. Aber am Ende fehlte einfach das gute Gefühl bei der Sache. Das gewisse Etwas. Der X-Faktor.

Letztendlich ist aber vor einigen Tagen nun endlich die Entscheidung gefallen. Wir haben unseren zukünftigen Wohnort gefunden. Er entspricht unseren Vorstellungen und Erwartungen an das Klima, die beruflichen Chancen, unseren Ansprüchen an kultureller Vielfalt und allerhand andere wichtige und weniger wichtige Dinge. Und er hat dieses gewisse Etwas, das allen anderen potentiellen Wohnorten gefehlt hat. Dieses gute Gefühl. Diesen X-Faktor.

Und darum geben wir hiermit bekannt, unser künftiger Wohnort wird ab dem 01. Juni 2010 sein:

So many towns to choose from!

Der große Wohnort-Check

New York City Flag

New York City Flag

Es gibt ein paar Städte, die fallen von vorneherein aus der Liste der potentiellen Wohnorte heraus. New York City ist ohne jeden Zweifel eine davon.

Dennoch darf man NYC nicht völlig ignorieren, alleine schon ihrer Bedeutung und schieren Größe wegen. Über 18 Millionen Einwohner zählt die Metropolitan Area, also der Einzugsbereich der Stadt. 8,3 Millionen davon leben im Stadtkern auf etwa 1.200 Quadratkilometern. Das ist eine Menge. Und im Gegensatz zu San Francisco, das mit seiner Einwohnerdichte nur knapp hinter New York City in den USA auf Platz Zwei ist, merkt man das in New York gewaltig. Die Straßen sind voll. Sehr voll. Mit Fußgängern, mit Autos, mit Lärm, mit Dreck und den allgegenwärtigen Tauben (genannt “flying rats”, also fliegende Ratten).

New York City ist nicht die USA und die USA ist nicht New York City – ganz ähnlich, wie es auch auf San Francisco zutrifft. NYC ist ein ganz eigener Kosmos in den Vereinigten Staaten. Wo San Francisco ganz unamerikanisch seiner Menschen wegen ist, die sich dort eher europäisch geben, ist New York voll mit Menschen, die sich für zu amerikanisch halten. Größer, weiter, schneller – eine Superlative jagt die Nächste. Und wenn der neue Wolkenkratzer, den man für seinen Konzern errichtet, bereits nach wenigen Wochen von einem neu errichteten Wolkenkratzer in der Nachbarschaft überragt wird, ist man beleidigt, reißt ihn ein und baut einen neuen, noch höheren. Das ist zwar aufregend, aber mir persönlich fehlt da ein wenig die Ruhe und Gelassenheit, die man im Rest der USA findet. Gut, zumindest ausserhalb der Ballungsräume und in der Bay Area.

Das Klima von New York ist ebenfalls ein Grund, warum es von der Liste fällt. Die Winter sind lang, windig und bitterkalt, mit Temperaturen nur selten über dem Nullpunkt.

Ein weiterer Minuspunkt sind die unglaublichen Mietpreise für Wohnungen. Das Leben spielt sich in New York hauptsächlich in Manhattan hab, man würde also eine Wohnung in Manhattan haben wollen, oder zumindest in einer Gegend, die mit der U-Bahn noch innerhalb einer halben Stunde Fahrtzeit erreichbar ist, wie z.B. Queens. Aber da selbst in Queens die Wohnungen noch erheblich teurer sind als in San Francisco, von Manhattan selbst mal ganz zu schweigen, müsste man sich schon arg weit ausserhalb niederlassen.

New York City hat aber ganz klar auch seine schönen Seiten. Der Battery Park ist super, wenn man mal dem Stadtlärm entgehen will. Er liegt an der Südspitze von Manhattan und ist umgeben von Wasser, man hat also immer einen großartigen Blick in die Ferne. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn man bedenkt, dass man in Manhattan sonst nie weiter sehen kann als ein, zwei Blocks, oder mal maximal über den Hudson hinüber auf die andere Ufer-Seite. Ausserdem gibt es im Battery Park auch Rasen, den man betreten darf – ganz im Gegensatz zum Central Park. Ich habe nicht den kompletten Teil des Central Parks gesehen, aber im südlichen Teil sind sämtliche Rasenflächen eingezäunt, man kann sich maximal auf eine der wenigen verteilten Bänke am Wegesrand setzen. Das fand ich schon sehr enttäuschend.

Die Häuserschluchten sind absolut faszinierend, deren Lichterspiel der Glasfassaden man unten in den Straßen beobachten kann. Das kulturelle Angebot in New York ist so unbegreiflich allumfassend, dass es mehr zu sehen gibt als ein einzelner Mensch in einem Leben schafen könnte. Es gibt an fast jeder Ecke ein Diner, bei denen ein Burger leckerer ist als der andere und man in der Früh noch gebratenen Speck an Eiern “sunny side up” bekommt, ohne ein schlechtes Gewissen bekommen zu müssen, weil einen eine abgemagerte californische Bedienung des vielen Fettes im Essen wegen vorwurfsvoll, und fast neidisch, anblickt. Allen voran steht da meiner Meinung nach Smith’s Bar and Restaurant an der West 44th and 8th, nur ein Block vom Times Square. Wenn man dort ist (und sowas mag), sollte man definitiv den Jack Daniel Burger probieren, ein 8 oz.-Burger, mariniert in Jack Daniel’s, mit roten Zwiebeln und Cheddar Cheese. Lecker, sag ich nur.
Wenn man dann abends, nach einem solchen Burger zum Frührstück, noch etwas hunger übrig hat, geht man nur einen Block weiter nach Norden. Dort ist das Steakhouse Frankie and Johnnie’s. Ich behaupte hiermit, dass man dort das beste Steak bekommt, das man weltweit haben kann, und ich fordere jeden auf, mich zu widerlegen, der die Chance bekommt, da mal einzukehren. Probiert es aus. Ernsthaft. Ihr werdet danach kein Steak mehr so essen wie zuvor. Einfach unglaublich. Jedes einzelne Steak, ob Sirloin, Rib Eye, T-Bone oder Porterhouse, exakt so in der winzigen Küche über offenem Feuer gegrillt, wie es der Gast wünscht, und mit Side Dishes, das einem das Wasser im Munde nur so zusammen läuft… Ich komme ins Schwärmen und bekomme Hunger.
Die Preise in Frankie und Johnnie’s sind heftig und man sollte vorher einen Tisch bestellen, aber es lohnt sich wirklich.

Dieser vermutlich kürzeste aller WOC-Artikel soll im Grunde eines sagen: New York City ist keine Stadt, in der man leben will. Zumindest ich nicht. Aber es ist eine Stadt, die man gerne und oft besuchen mag, ein ganz klares Urlaubsziel, nicht nur für uns Auswanderer.

Der große Wohnort-Check

Portland City Flag

Portland City Flag

Im 19. Jahrhundert unter dem Namen “The Clearing” gegründet hätte – wäre die Münze anders gefallen – Portland vielleicht gar nicht Portland sondern Boston geheißen. William Overton erkannte Portlands Potential, hatte aber 1843 nicht das Geld um sich das Land leisten zu können. Für 25 Cent teilte er die 640 Morgen Land mit Asa Lovejoy (welch ein Name… er hatte bestimmt Britische Vorfahren) aus Boston, Massachusetts. Dieser wiederum verkaufte später seinen Anteil an Francis W. Pettygrove der aus Portland in Maine stammte. Man war sich uneinig darüber, welchen Namen die neue Stadt nun tragen sollte, da jeder der beiden, Pettygrove und Lovejoy, gerne den Namen ihrer Heimatstadt gewählt gesehen hätten.
So entschied eine Münze. Pettygrove gewann indem zwei von drei Mal die Münze mit der Seite nach oben zeigte, die für Portland stand. Diese Münze, auch bekannt als Portland Penny, ist noch heute in der Zentrale der Oregon Historical Society ausgestellt und zu bewundern.

Mit gerade mal 800 Einwohnern um 1850 stand Portland lange Jahre im Schatten der damaligen Hauptstadt Oregon City. Die günstige Lage Portlands, die Verbindung durch den Willamette und Columbia River zum Pazifik und die Great Plank Road zum Tualatin Valley (einer Gegend reich an Farmbetrieben), machten Portland als Hafenstadt groß. Bis in die 90er Jahre des 19. Jh. besaß Portlands Hafen die Vormachtstellung vor anderen Seehäfen, welche es jedoch mit Ausbau der Eisenbahnverbindung zum Tiefseewasser-Hafen von Seattle dann nach und nach verlor. Das “Shanghaien”, die gewaltsame Rekrutierung von Seeleuten, fand damals in Portland genauso statt wie in anderen Häfen entlang der Westküste der USA. Ein eigentlich zu legalen Zwecken angeletes Tunnelsystem, welches sich quer über mehrere Häuserblöcke der Stadt erstreckt, geriet deshalb in Verruf als Shanghai-Tunnel für Entführungen genutzt zu werden. (more…)

Der große Wohnort-Check

New Haven, CT - City Flag

New Haven, CT - City Flag

Bevor Europäer sich hier nieder ließen war New Haven das Land der Quinnipiac-Indianer, die den natürlichen Hafen zur Fischerei nutzten und vom Maisanbau lebten. Im April 1638 verließen 500 Puritaner die Massachssetts Bay Colony und ließen sich hier in der Hoffnung nieder, mit einer eigenen Kollonie eine bessere theologische Gemeinschaft zu gründen, als sie sie in Massachusetts hatten, und den Hafen für Handelszwecke nutzen zu können. Die Quinnipiacs, die zu jener Zeit unter Angriffen der Pequot-Indianer standen, verkauften ihr Land an die Siedler im Tausch gegen Schutz.

Etwa ein Jahr später wurden acht Straßen in einem Netz aus vier mal vier Straßen angelegt, was heute als “Nine Square Plan” bekannt ist. Dieser Nine Square Plan wurde für ettliche andere Städte zum Vorbild und ist ein National Historic Planning Landmark. Das 65.000 Quadratmeter große zentrale Quadrat ist das “New Haven Green”, heute das Zentrum von Downtown New Haven.

1646 ereignete sich dann für die Kolonie das erste große wirtschaftliche Desaster. Wirtschaftlich aufstrebend und an Bedeutung gewinnend schickten die Kolonisten ein Schiff mit lokalen Gütern nach England, das dort aber nie ankam, was dazu führte, dass New Haven einen großen Teil seines wirtschaftlichen Ansehens als “zu unsicher” an die aufstrebenden Kolonien Boston und New Amsterdam verlor.

1664 wurde New Haven dann durch den Druck der britischen Krone dazu gezwungen, seinen selbständigen Status aufzugeben und der Kolonie Connecticut beizutreten. Einige behaupten, das sei als Strafe zu verstehen, weil New Haven drei Jahre zuvor zwei britischen Richtern, Colonel Edward Whalley und Colonel William Goffe, zuflucht gewährte, die den Hinrichtungsbefehl König Charles I. unterzeichnet hatten und deshalb von König Charles II. verfolgt wurden. Tatsächlich aber wollte sich Connecticut mit dem Beitritt New Havens die eigene Stellung bei der Übernahme von New Amsterdam, dem späteren New Work, stärken.

Während der Amerikanischen Revolution wurde das etwa 3500 Einwohner zählende New Haven von britischen Truppen besetzt, aber im Gegensatz zu Danbury, Fairfield und Norwald nicht niedergebrannt, weshalb viele Colonialbauten heute noch erhalten sind.

Den ersten echten wirtschaftlichen Erfolg erarbeitete sich New Haven dann im späten 18. Jahrhundert, als Eli Whitney, ein ehemaliger Student der ortsansässigen Yale University, mit der Erfindung des Cotton Gin zu Wohlstand kam und im Norden der Stadt eine Waffenfabrik aufbaute. Seine Firma, und die des Kupferverarbeiters Simeon Noth, trugen dazu bei, dass das frühe Connecticut zu einer machtvollen Industriegegend wurde. Es entstanden so viele Waffenschmieden, dass der Staat bald als die Waffenkammer Amerikas bekannt wurde. Es war auch Whitneys Waffenschmiede, in der Samuel Colt 1836 den automatischen Revolver erfand. Der Sezessionskrieg schob die lokale Wirtschaft dann durch Kriegsanschaffungen weiter an. (more…)