Apr
20
2009
WOC Teil 1: San Francisco, California
Autor: Martin
San Francisco City Flag
1776 gründete eine Gruppe spanischer Siedeler am Golden Gate eine Mission zu Ehren von Franz von Assisi. Der kalifornische Goldrausch versetzte die kleine Siedlung ab 1848 dann in eine lange Periode stetigen Wachstums und so wurde die Stadt zur damals größten Metropole an der amerikanischen Westküste, weit größer und einflussreicher als Los Angeles. Nachdem San Francisco dann am 18. April 1906 in den frühen Morgenstunden (Ja, vor zwei Tagen war der 103. Jahrestag.) von einem starken Beben und den anschließemd wütenden Feuern fast völlig vernichtet wurde, wurde sie sofort und in nur wenigen Jahren wieder aufgebaut und richtete nur neun Jahre später die Panama-Pacific International Expedition aus, für die im heutigen Marina District auf beinahe drei Quadratkilometern Fläche ein riesiges Ausstellungsgelände mit der Architektur vieler Länder dieser Welt errichtet wurde. Mit dieser Expo wurde zwar vordergründig die Fertigstellung des Panama-Kanals gefeiert, wurde aber von den Bewohnern der Stadt auch als Chance gesehen, zu beweisen, dass man sich nicht unterkriegen lässt und bereits wieder in alter Pracht strahlen kann. Daher kommt auch die Flagge der Stadt: Der Phoenix, der aus dem Feuer und der Asche steigt. Diese Grundeinstellung ist heute noch in der Stadt zu spüren, dass man alles überstehen und erreichen kann, wenn man sich nur genug bemüht.
Die vielen asiatischen, mexikanischen und kaukasischen Einwanderer sorgten über die Jahre für ein kulturell vielseitiges Klima, das vor allem von gegenseitiger Akzeptanz geprägt ist. Das führte dann später auch zum Summer of Love und zur Hippie-Bewegung, die von San Francisco aus in die restliche westliche Welt schwappte und ihren Wunsch nach Frieden und gegenseitig akzeptierter Vieseitigkeit in die Welt trug. In den neunziger Jahren war San Francisco die Heimat des Dot-Com-Booms und ist bis heute eine der großen weltweit wichtigen Technologie-Standorte.
Geographische Lage
San Francisco liegt im Norden Kaliforniens an der Spitze der San Francisco-Halbinsel und ist deshalb an drei von vier Seiten von Wasser umgeben: Dem Pazifischen Ozean im Westen und Nord-Westen und der San Francisco Bay im Nord-Osten und Osten der Stadt.
Die Stadt selbst misst etwa elf mal elf Kilometer und ist somit ca. 121 Quadratkilometer groß. Nimmt man die Gewässerfläche des Stadtgebietes noch hinzu, misst sie sogar etwa 600 Quadratkilometer. Sie liegt auf einer Höhe von Null Metern über Normal-Null und ihre höchste Erhebung kommt auf 282 Meter. San Francisco ist bekannt für seine mehr als 50 Hügel. Einige Stadtteile sind nach den Hügeln benannt, auf denen sie liegen. So zum Beispiel Nob Hill, Russian Hill oder Pacific Heights.
San Francisco liegt ausserdem direkt an den San Andreas- und Hayward-Spalten, die mehrmals im Jahr für schwache bis mittlere Beben in der Bay Area sorgen.
Klima
San Francisco hat im Grunde eine Art Mittelmeer-Klima mit trockenen, warmen Sommern und regenreichen milden Wintern. Dabei kommt der Stadt zugute, dass sie an drei Seiten von Wasser umgeben ist, das hält in den heißen kalifornischen Sommertagen die Temperatur auf einem sehr angenehmen Niveau. Wenn über der Stadt die kalte Pazifikluft auf die heiße kalifornische Landluft trifft, entstehen in den Morgen- und Abendstunden Nebel über der Stadt, die die Luft abkühlen.
In den warmen Sommermonaten von Mai bis Oktober steigt die Temperatur so im Schnitt nicht über 25 Grad Celsius. Im Winter hingegen sinkt die Temperatur selten unter zehn Grad. Regen gibt es vor allem im Dezember und Januar, selten bis nie zwischen April und Oktober. Da der im Sommer entstehende Abend- und Morgennebel wie eine Art natürliche Klimaanlage wirkt, sinken im Sommer am Abend und am Morgen die Temperaturen auf der San Francisco-Halbinsel oft kurzzeitig auf etwa zehn Grad ab, während es im Landesinneren auf der anderen Seite der Bay hochsommerliche Temperaturen hat. Schließlich liegt Nordkalifornien etwa auf der Höhe Nordafrikas. Diese starken Schwankungen innerhalb des Tages muss mit entsprechender Kleidung kompensiert werden können.
Die Luftqualität in San Francisco ist durch die ständigen Winde und die frische Luft vom Pazifik beinahe das ganze Jahr hindurch hervorragend.
Kultur und Sport
Über 50 Museen, hunderte Straßencafés, ein dutzend Kinos (vom kleinen Programmkino bis hin zum riesigen Multiplex), mehrere dutzend Theater und Konzertbühnen und die vielen Bücherreien sorgen dafür, dass es nicht langweilig wird. Dabei bietet das San Francisco Museum of Modern Art, das SFMOMA, moderne Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, der California Palace of Legion and Honor zeigt feine Künste und Antiquitäten aus Europa, das 2005 eröffnete deYoung-Museum im Golden Gate Park zeigt amerikanische Künste und Objekte aus Asien, Ozeanien und Südamerika und die erst 2008 eingeweihte California Academy of Sciences beherbergt ein naturwissenschaftliches Museum, ein Planetarium und Aquarium. Der Palace of Fine Arts und seine kleine angrenzende Lagune sind (wieder) lebende Zeitzeugen der Panama-Pacific International Exhibition und bieten einen traumhaften Hintergrund um mal tief durchzuatmen und die Seele baumeln zu lassen. Der Palace of Fine Arts beinhaltet ausser dem das Exploratorium, eine Art Physik- und Naturwissenschaftsmuseum zum Anfassen. Dort werden anhand von Experimentier- und Erlebnisstationen einfache und kompliziertere Naturgesetze anschaulich und erleb- und verstehbar gemacht.
San Francisco ist darüber hinaus die Heimat der San Francisco 49ers, einer Football-Manschaft der ersten Liga, und der San Francisco Giants, einer Major League Baseball-Mannschaft, mit einem traumhaft gelegenen Stadium im Süd-Osten der Stadt, direkt an der Bay. Weiter gibt es eine semiprofessionelle Fußballmannschaft, die PGA Tour macht gelegentlich am örtlichen Golfplatz einen Stopp und der San Francisco Marathon legt, wie auch in Köln, ein mal im Jahr die Stadt lahm. Bay to Breakers ist ein jährliches durchgeknalltes Fußrennen mit bunten Kostümen (und garkeinen Klamotten) von der Bucht, quer durch die Stadt, zum Pazifik-Strand. Insgesamt begünstigt das milde und teils kühle Klima sportliche Betätigungen in der Stadt und machen auch die ständigen Klettereien über die Hügel zu einem ertragbaren Zwangs-Sport.
Menschen
In San Francisco leben zur Zeit geschätzte 810.000 Menschen. Das sind etwa 6.700 Menschen pro Quadratkilometer, was in den USofA nur noch von Manhattan, New York übertroffen wird, und ist damit sehr dicht besiedelt. Allerdings merkt man diese Tatsache eigenartiger Weise im Gegensatz zum wuselnden Manhattan in San Francisco nur an ganz wenigen öffentlichen Plätzen. Der Rest der Stadt ist beinahe provinziell ruhig.
San Francisco ist in jeder Hinsicht absolut bunt. Es gibt beinahe keine Subkultur, die in San Francisco nicht vertreten ist, oder sogar dort erfunden wurde. Auch gibt es fast keine Rasse, die nicht in San Francisco zu finden ist. Diese Vielseitigkeit führte nicht nur zur Gleichstellungs- und Friedensbewegung, sondern sorgt auch heute noch für eine anderswo selten gesehene Akzeptanz gegenüber Andersartigkeit. Dem konnte auch die Yuppisierung der Stadt in den Neunziger Jahren durch den Dot-Com-Boom keinen Abbruch tun.
San Francisco gilt als eine der freundlichsten und ruhigsten Großstädte in den Vereinigten Staaten. Sie wird als beinahe Europäisch beschrieben, da die Menschen oft eine art mediterraneske Gemütlichkeit an sich haben. So kommt es schon gelegentlich vor, dass sich ein Busfahrer mal für fünf Minuten mit einem Sandwich auf eine Parkbank setzt, seine Pause macht, aber keiner der Fahrgäste deshalb ungeduldig wird und mault. Jeder Mensch geht einfach seiner Arbeit nach und lässt den anderen in Frieden das Seine tun. Diese Akzeptanz und Liberalität habe ich in noch keiner anderen Stadt erlebt.
Gewählt wird in dieser Stadt deshalb natürlich auch stark überwiegend die Demokratische Partei.
Strände und Parks
San Francisco hat an die 100 Parks und Erholungsorte. Neben der grünen Lunge der Stadt, dem in den 1860er Jahren errichteten und 4,1 Quadratkilometer großen Golden Gate Park, gibt es innerhalb der Stadtgrenzen 14 Nationalparks, darunter Alcatraz, der bei Surfern wegen seiner hohen Wellen sehr beliebte Ocean Beach und das ehemalige Militärgelände The Presidio, aus dem heraus sich auch die Golden Gate Bridge nach Norden über den Eingang der Bucht erstreckt.
Zwar sind die meisten der knapp 100 Parks nicht größer als ein Block, aber die pure Menge an Parks und die auch sonst stark begrünten Straßenzüge lassen das Leben in dieser vollgepackten Großstadt angenehm erscheinen.
Öffentlicher Nah- und Fernverkehr
Für 1,50$ bekommt man in San Francisco ein Ticket für Bus und Bahn. Dieses Ticket gilt zwei volle Stunden lang im ganzen Stadtgebiet und kann für alle Fahrten benutzt werden – auch für eine Fahrt in die Gegenrichtung, also wieder zurück, wenn man es in den zwei Stunden schafft. Der Grund ist weniger die Großzügigkeit des Vorstandes der Städtischen Transportgesellschaft, sondern der Fakt, dass alle Bus- und Bahnlinien kreuz und Quer durch die Stadt verlaufen und es praktisch unmöglich wäre zu kontrollieren, ob man das Ticket auch für die Rückfahrt nutzt. So kann man also für 1,50$ quer durch die Stadt und zurück fahren, während man hier in Bonn für eine ähnliche Tour 4,80 Euro, also etwa 6,25$, und somit mehr als das Vierfache zahlen muss. Busse und Bahnen fahren auf ihren vorgegebenen Linien nicht nach festen Fahrplänen, sondern im Takt, also in festen Abständen, in der Regel tagsüber alle fünf bis zehn Minuten und nachts auf den Hauptlinien alle zehn bis zwanzig Minuten. Die Linienführung ist vergleichsweise einfach, da die meisten Linien nur eine Straße hinauf und herunter fahren. Man fährt also mit der einen Lnie so lange die Straße entlang, bis man an die gewünschte Querstraße gelangt und steigt dort in den Bus um, der einen dann an den Zielpunkt bringt.
Neben diesem recht einfach zu verstehenden innerstädtischen Verkehrssystem von MUNI (Minicipal Railway) stehen noch die Regionalzüge von BART (Bay Area Rapid Transit) zur Verfügung. Diese verbinden alle wichtigen Orte der Bay Area miteinander, und verkehren etwa 20 Stunden am Tag. Die verwendeten elektronischen Debit-Tickets werden beim Einsteigen in den Zug nur gespeichert und erst beim Verlassen des Zuges entwertet. Auf diese Weise zahlt man immer nur die tatsächlich gefahrene Strecke, eventuelle Restbeträge werden auf dem Ticket wieder gutgeschrieben. Obwohl dieses System sehr fair und auf Dauer einfach zu handhaben ist, macht es jedoch einmalige Fahrten eher kompliziert, da man beim Aufladen der Tickets vor dem Fahrtantritt bereits wissen muss, was die Fahrt kosten wird, um auch nur diesen Betrag zu laden. Eventuelle Restbeträge würden sonst nicht genutzt werden.
San Francisco hat zudem einen internationalen Flughafen, der mit BART in nur zwanzig Minuten zu erreichen ist. Diese Flughafen verbindet die Bay Area mit allen großen und wichtigen Orten der Welt durch direkte Linienflüge, die ein lästiges Umsteigen vermeiden.
Für die Zukunft ist eine Hochgeschwindigkeitsbahnlinie geplant, die San Francisco mit ICE-ähnlichen Zügen an die Metropolen Los Angeles und San Diego verbinden soll. Eine Fahrt soll so von San Francisco nach Los Angeles in Zukunft nur noch etwa 2,5 Stunden dauern. Mit dem Auto benötigt man für diese Strecke heute etwa sechs Stunden.
Ein eigenes Auto zu besitzen macht in San Francisco wenig Sinn, da der öffentliche Nahverkehr günstig, zuverlässig und gut ist, und man zudem eh nie einen Parkplatz finden würde.
Schulen und Bildung
Es gibt vier öffentliche und 18 private Colleges und Universitäten in San Francisco, darunter die weltweit rennomierte Academy of Art University. Die Grundschulen gelten, zumindest im nationsweiten Schnitt, als eher gut. Dreissig Prozent aller Kinder im Schulalter besuchen private Schulen, das sind drei mal so viel wie in den restlichen USA. Die San Francisco State University hat beinahe 30.000 Studenten und vergibt Undergraduate und Master Degrees in über 100 Disziplinen. Im Osten der Bay liegt ebenfalls die Berkeley-Universität und im Süden die Stanford University, die zu den besten Universitäten der Nation gehören.
Wirtschaft
San Francisco ist die Bankenmetropole der Westküste. Visa, Bank of America und Wells Fargo sind in dieser Stadt entstanden. Chermoil und Pacific Gas & Electric haben hier ihre Hauptquartiere. Auch Sega und Dolby Laboratories stammen aus SF. Dank Pixar, Dreamworks, Industrial Light and Magic, Lukasfilm, LukasArts, The Orphanage und Skywalker Sound ist San Francisco die US-Metropole für computergenerierte Spezial-Effekte, Bilder, Sound und Postproduction. Im Süden von San Francisco befindet sich das Silicon Valley mit Firmen wie Adobe, AMD, Apple, Cisco Systems, eBay, Google, Hewlett-Packard, Intel, nVidia, Oracle, SanDisk, Sun Microsystems, Simantec und Yahoo!. In San Francisco selbst haben High-Tech Firmen wie Blogspot, Craigslist, Digg, Flickr, Wikipedia, Twitter oder YouTube ihren Ursprung oder Sitz. Weiter befinden sich hier die Hauptquartiere von Levi Strauss, GAP, CNET, des Internet Archives und der Wikimedia Foundation.
85% aller Firmen in San Francisco haben weniger als zehn Mitarbeiter oder sind selbständig arbeitende Menschen – ein extrem hoher Schnitt.
Die Erdbebengefahr
Durch die Nähe zu den San Andreas- und Hayward-Spalten herrscht in der Bay Area die ständige Gefahr von teils schweren Erdbeben. Nachdem die Stadt 1906 vor allem durch die später entstandenen Feuer beinahe völlig zerstört wurde, wurde in dem seither vergangenen Jahrhundert ständig die Bauvorschriften verschärft. Die Rettungsdienst-Infrastruktur ist auf die Erdbebengefahr hin ausgerichtet und man bekommt als Anwohner sehr detailierte Anweisungen, wie man sich vorweg auf den Ernstfall vorbereiten kann. Seit 1906 gab es weitere teils schwere Beben, das Schwerste in den frühen Abendstunden des 17. Oktober 1989. Bei diesem Beben der Stärke 6.9 Richter kamen 63 Menschen ums Leben, der Großteil davon beim Einsturz eines doppelstöckigen Freeways in der Ost-Bucht. Diese Freeways gibt es heute nicht mehr. Es wird geschätzt, dass es beim nächsten großen Beben weniger als zehn Tote geben wird und sich die Sachschäden auf die alten, noch nicht bebensicher gemachten Gebäude beschränken wird. Statistisch gesehen ist San Francisco die Erdbebensicherste Großstadt nach Tokio, Japan.
Weitere Daten
Sales Tax: 9.5% (Vorübergehend. Ab Mitte 2010 wieder 8.5%)
Arbeitslosenquote (Februar 2009): 8.8% (11.2% in Kalifornien, 8.5% in den USA)
State Income Tax: 1% zwischen 0 und 7.168$, 2% zwischen 7.169 und 16.994$, 4% zwischen 16.995 and 26.821$, 6% zwischen 26.822 und 37.233$, 8% zwischen 37.234 und 47.055$, 9,3% zwischen 47.056 und 1.000.000$ und 10.3% ab 1.000.001$ Einkommen auf jeden verdienten Dollar
Federal Income Tax (bei 60.000 Dollar pro Jahr und Ehegattensplitting): 13,66% (15%-Bracket)
Durchschnittseinkommen pro Haushalt (2007): 65.519$
Monatsmieten (1 Bedroom, ca. 45 Quadratmeter): Zwischen 1.250$ und 2.000$ (ouch!)
Kriminalitätsraten (pro 1000 Einwohner): 0.11 Morde, 0.20 Vergewaltigungen, 3.94 Überfälle, 3.20 Körperverletzungen
