May
27
2009
WOC Teil 2: New Haven, Connecticut
Autor: Martin
New Haven, CT - City Flag
Bevor Europäer sich hier nieder ließen war New Haven das Land der Quinnipiac-Indianer, die den natürlichen Hafen zur Fischerei nutzten und vom Maisanbau lebten. Im April 1638 verließen 500 Puritaner die Massachssetts Bay Colony und ließen sich hier in der Hoffnung nieder, mit einer eigenen Kollonie eine bessere theologische Gemeinschaft zu gründen, als sie sie in Massachusetts hatten, und den Hafen für Handelszwecke nutzen zu können. Die Quinnipiacs, die zu jener Zeit unter Angriffen der Pequot-Indianer standen, verkauften ihr Land an die Siedler im Tausch gegen Schutz.
Etwa ein Jahr später wurden acht Straßen in einem Netz aus vier mal vier Straßen angelegt, was heute als “Nine Square Plan” bekannt ist. Dieser Nine Square Plan wurde für ettliche andere Städte zum Vorbild und ist ein National Historic Planning Landmark. Das 65.000 Quadratmeter große zentrale Quadrat ist das “New Haven Green”, heute das Zentrum von Downtown New Haven.
1646 ereignete sich dann für die Kolonie das erste große wirtschaftliche Desaster. Wirtschaftlich aufstrebend und an Bedeutung gewinnend schickten die Kolonisten ein Schiff mit lokalen Gütern nach England, das dort aber nie ankam, was dazu führte, dass New Haven einen großen Teil seines wirtschaftlichen Ansehens als “zu unsicher” an die aufstrebenden Kolonien Boston und New Amsterdam verlor.
1664 wurde New Haven dann durch den Druck der britischen Krone dazu gezwungen, seinen selbständigen Status aufzugeben und der Kolonie Connecticut beizutreten. Einige behaupten, das sei als Strafe zu verstehen, weil New Haven drei Jahre zuvor zwei britischen Richtern, Colonel Edward Whalley und Colonel William Goffe, zuflucht gewährte, die den Hinrichtungsbefehl König Charles I. unterzeichnet hatten und deshalb von König Charles II. verfolgt wurden. Tatsächlich aber wollte sich Connecticut mit dem Beitritt New Havens die eigene Stellung bei der Übernahme von New Amsterdam, dem späteren New Work, stärken.
Während der Amerikanischen Revolution wurde das etwa 3500 Einwohner zählende New Haven von britischen Truppen besetzt, aber im Gegensatz zu Danbury, Fairfield und Norwald nicht niedergebrannt, weshalb viele Colonialbauten heute noch erhalten sind.
Den ersten echten wirtschaftlichen Erfolg erarbeitete sich New Haven dann im späten 18. Jahrhundert, als Eli Whitney, ein ehemaliger Student der ortsansässigen Yale University, mit der Erfindung des Cotton Gin zu Wohlstand kam und im Norden der Stadt eine Waffenfabrik aufbaute. Seine Firma, und die des Kupferverarbeiters Simeon Noth, trugen dazu bei, dass das frühe Connecticut zu einer machtvollen Industriegegend wurde. Es entstanden so viele Waffenschmieden, dass der Staat bald als die Waffenkammer Amerikas bekannt wurde. Es war auch Whitneys Waffenschmiede, in der Samuel Colt 1836 den automatischen Revolver erfand. Der Sezessionskrieg schob die lokale Wirtschaft dann durch Kriegsanschaffungen weiter an.
Geographische Lage
Nach dem United States Census Bureau hat New Haven eine Fläche von 52,4 Quadratkilometern, von denen 48,8 Quadratkilometer Landmasse sind. Die Stadt hat einen großen natürlichen Hafen und zwei Hügel aus rötlichem Basalt, einer im Westen und einer im Osten des Stadtkerns. Beide Hügel dienen als ausgedehnte Parkfläche. Die Stadt ist von drei Flüssen durchzogen, dem West, Mill und Quinnipiac. Der West River mündet im West Haven Harbor, der Mill und Quinnipiac River im New Haven Harbor.
Klima
New Haven hat ein warmes, sommerliches Kontinentalklima, typisch für das südliche New England. Die Sommer sind warm bis gemäßigt heiß, mit hoher Luftfeuchtigkeit und häufigen abendlichen Gewittern. Frühling und Herbst sind angenehm kühl mit mäßigem Niederschlag. Die Winter sind kalt und feucht mit einer ordentlichen Menge Schnee. Das Wetter ist hauptsächlich von Festlandseite her beeinflusst, die maritimen Einflüsse sind minimal, was an sonsten die Temperaturen zwischen Sommeru nd Winter mehr ausgleichen würde. So hat man in New Haven im Sommer mit Temperaturen von im Schnitt 28 Grad Celsius zu rechnen, während es im Winter selten Plusgrade hat. Die monatlichen Niederschlagsmengen bewegen sich das ganze Jahr hindurch gleichmäßig bei etwa 110 Millimetern.
Kultur
New Haven beheimatet einige Theater, unter anderem eines, das von der Yale School of Drama betrieben wird. Das Shubert Theatre war einst Ort der Premiere vieler Stücke, noch bevor diese an den Broadway kamen, darunter Oklahoma!, Carousel, My Fair Lady und The Sound of Music. Auch gibt es einige Programmkinos und ein Multiplex.
Viele Museen der Stadt sind mit Yale verbunden. Die Beinecke Rare Book and Manuscript Library hat zum Beispiel eine der originalen Gutenberg-Bibeln. Weiter gibt es die Yale University Collection of Musical Instruments, das Eli Whitney Museum und das Yale Center for British Art mit der größten Sammlung britischer Kunst ausserhalb des Vereinigten Königreichs. Weiter gibt es noch die Yale University Art Gallery, das älteste Universitäts-Museum der Vereinigten Staaten.
Im Hafen von New Haven liegt ein getreuer Nachbau des Handelsschooners La Amistad, der sich an einigen Tagen im Sommer auch besichtigen lässt.
Der Park New Haven Green ist vor allem in den Sommermonaten der Austragungsort zahlreicher kostenloser Konzerte, bis 2007 unter anderem des New Haven Jazz Festivals, das teilweise bis zu 50.000 Gäste anzog. Konzerthallen wie Toad’s Place halten in New Haven vor allem die alternativen Musikszenen wie Indie und College Rock am Leben. Die Yale School of Music trägt ausserdem zur Musikszene bei, indem sie über das Jahr verteilt hunderte kostenloser Konzerte an Orten um und auf dem Yale Kampus bietet.
Essen
Untüpisch für seine Größe beheimatet New Haven eine erhebliche Menge an Restaurants aller Art, vor allem Pizzerien, American Diner und Süd-Ost-Asiatisches Essen. New Haven hat sogar einen eigenen Pizza-Stil entwickelt, genannt Apizza (im lokalen italienischen Dialekt ah-BEETS ausgesprochen), die es dort seit ca. 1925 gibt. Sie wird in mit Holz oder Kohle befeuerten Öfen gebacken und hat einen für amerikansiche Verhältnisse sehr dünnen Boden und Rand. Die Apizza gibt es in Rot (mit einer auf Tomaten basierenden Sosse), oder Weiss (mit Knoblauch und Olivenöl), und Apizzas die “plain”, also “schlicht” bestellt werden, kommen ohne den sonst üblichen geräucherten Mozarella.
Louis’ Lunch, zu finden in einem kleinen Backsteinhaus in der Crown Street, serviert Fast Food seit 1895. Dort werden Hamburger, Steak Sandwiches und Hot Dogs vertikal in einem antiken gusseisernen Ofen von 1898 gegrillt. Dieses Restaurant gilt auch als der Erfinder des Hamburger-Und-Steak-Sandwiches.
Wegen der starken Einwanderungswelle in den 90er Jahren gibt es in New Haven hunderte etnische Rastaurants und Märkte, alle spezialisiert auf eine bestimmte Art von ausländischem Essen, darunter: Malayisch, Ethiopianisch, Spanisch, Mexikanisch, Thailändisch, Chinesisch, Japanisch, Vietnamesisch, Indisch, Jamaikanisch, Kubanisch, Peruanisch, Türkisch, Persisch oder Syrisch. Es gibt alleine 120 Restaurants in einem 2-Block-Radius um das New Haven Green.
Menschen
New Haven hat zur Zeit etwa 124.000 Einwohner, also etwa 2.550 Menschen pro Quadratkilometer, und ist damit durchschnittlich dicht besiedelt. Die Bevölkerung ist vorwiegend irisch, italienisch, afrikanisch, mexikanisch und puertorikanisch. Knapp 25% der Einwohner sind unter 18 Jahre alt, 16,4% sind zwischen 18 und 24 und knapp 25% sind zwischen 25 und 44 Jahre alt. Die Durchschnittsfamilie in New Haven zählt 3,19 Personen.
Öffentlicher Nah- und Fernverkehr
New Haven ist mit einigen Bahnlinien an das recht nahe gelegene New York angeschlossen. Eine Fahrt dahin dauert knapp unter zwei Stunden. Darüber hinaus gibt es eine gute Anbindung an Interstates und Highways. Über die regionalen und städtischen Busanbindungen konnte ich allerdings nicht sehr viel heraus finden.
Es gibt weiter einen Flughafen, der von US Airways angeflogen wird und New Haven mit einigen anderen kleineren nationalen Flugzielen verbindet.
Wirtschaft
New Haven war ursprünglich eine Fabrik-Stadt. Das ist auch heute noch teilweise so, allerdings hat die Yale University für einen Zuzug von Forschungs- und Finanzindustrie gesorgt. Die beiden größten Industriezweige sind heute allerdings der Handel von Waren und Bildung und Gesundheit.
Weitere Daten
Local Sales Tax: Keine
State Sales Tax: 6% auf die meisten Waren
Local Income Tax: Keine
State Income Tax: 3% zwischen 0 und 10.000$ und 5% ab 10.001$ Einkommen pro Jahr auf jeden verdienten Dollar
Federal Income Tax (bei 60.000$ Jahreseinkommen und Ehegattensplitting): ca. 13.66% (15%-Bracket)
Durchschnittseinkommen pro Haushalt (2007): 39.409$
Durchschnittliche Monatsmieten: 966$
Arbeitslosenrate (April 2005): 7,6%
Kriminalität (2007): 13 Morde, 45 Vergewaltigungen, 732 Überfälle, 908 Tätlichkeiten
