Der große Wohnort-Check

New York City Flag

New York City Flag

Es gibt ein paar Städte, die fallen von vorneherein aus der Liste der potentiellen Wohnorte heraus. New York City ist ohne jeden Zweifel eine davon.

Dennoch darf man NYC nicht völlig ignorieren, alleine schon ihrer Bedeutung und schieren Größe wegen. Über 18 Millionen Einwohner zählt die Metropolitan Area, also der Einzugsbereich der Stadt. 8,3 Millionen davon leben im Stadtkern auf etwa 1.200 Quadratkilometern. Das ist eine Menge. Und im Gegensatz zu San Francisco, das mit seiner Einwohnerdichte nur knapp hinter New York City in den USA auf Platz Zwei ist, merkt man das in New York gewaltig. Die Straßen sind voll. Sehr voll. Mit Fußgängern, mit Autos, mit Lärm, mit Dreck und den allgegenwärtigen Tauben (genannt “flying rats”, also fliegende Ratten).

New York City ist nicht die USA und die USA ist nicht New York City – ganz ähnlich, wie es auch auf San Francisco zutrifft. NYC ist ein ganz eigener Kosmos in den Vereinigten Staaten. Wo San Francisco ganz unamerikanisch seiner Menschen wegen ist, die sich dort eher europäisch geben, ist New York voll mit Menschen, die sich für zu amerikanisch halten. Größer, weiter, schneller – eine Superlative jagt die Nächste. Und wenn der neue Wolkenkratzer, den man für seinen Konzern errichtet, bereits nach wenigen Wochen von einem neu errichteten Wolkenkratzer in der Nachbarschaft überragt wird, ist man beleidigt, reißt ihn ein und baut einen neuen, noch höheren. Das ist zwar aufregend, aber mir persönlich fehlt da ein wenig die Ruhe und Gelassenheit, die man im Rest der USA findet. Gut, zumindest ausserhalb der Ballungsräume und in der Bay Area.

Das Klima von New York ist ebenfalls ein Grund, warum es von der Liste fällt. Die Winter sind lang, windig und bitterkalt, mit Temperaturen nur selten über dem Nullpunkt.

Ein weiterer Minuspunkt sind die unglaublichen Mietpreise für Wohnungen. Das Leben spielt sich in New York hauptsächlich in Manhattan hab, man würde also eine Wohnung in Manhattan haben wollen, oder zumindest in einer Gegend, die mit der U-Bahn noch innerhalb einer halben Stunde Fahrtzeit erreichbar ist, wie z.B. Queens. Aber da selbst in Queens die Wohnungen noch erheblich teurer sind als in San Francisco, von Manhattan selbst mal ganz zu schweigen, müsste man sich schon arg weit ausserhalb niederlassen.

New York City hat aber ganz klar auch seine schönen Seiten. Der Battery Park ist super, wenn man mal dem Stadtlärm entgehen will. Er liegt an der Südspitze von Manhattan und ist umgeben von Wasser, man hat also immer einen großartigen Blick in die Ferne. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn man bedenkt, dass man in Manhattan sonst nie weiter sehen kann als ein, zwei Blocks, oder mal maximal über den Hudson hinüber auf die andere Ufer-Seite. Ausserdem gibt es im Battery Park auch Rasen, den man betreten darf – ganz im Gegensatz zum Central Park. Ich habe nicht den kompletten Teil des Central Parks gesehen, aber im südlichen Teil sind sämtliche Rasenflächen eingezäunt, man kann sich maximal auf eine der wenigen verteilten Bänke am Wegesrand setzen. Das fand ich schon sehr enttäuschend.

Die Häuserschluchten sind absolut faszinierend, deren Lichterspiel der Glasfassaden man unten in den Straßen beobachten kann. Das kulturelle Angebot in New York ist so unbegreiflich allumfassend, dass es mehr zu sehen gibt als ein einzelner Mensch in einem Leben schafen könnte. Es gibt an fast jeder Ecke ein Diner, bei denen ein Burger leckerer ist als der andere und man in der Früh noch gebratenen Speck an Eiern “sunny side up” bekommt, ohne ein schlechtes Gewissen bekommen zu müssen, weil einen eine abgemagerte californische Bedienung des vielen Fettes im Essen wegen vorwurfsvoll, und fast neidisch, anblickt. Allen voran steht da meiner Meinung nach Smith’s Bar and Restaurant an der West 44th and 8th, nur ein Block vom Times Square. Wenn man dort ist (und sowas mag), sollte man definitiv den Jack Daniel Burger probieren, ein 8 oz.-Burger, mariniert in Jack Daniel’s, mit roten Zwiebeln und Cheddar Cheese. Lecker, sag ich nur.
Wenn man dann abends, nach einem solchen Burger zum Frührstück, noch etwas hunger übrig hat, geht man nur einen Block weiter nach Norden. Dort ist das Steakhouse Frankie and Johnnie’s. Ich behaupte hiermit, dass man dort das beste Steak bekommt, das man weltweit haben kann, und ich fordere jeden auf, mich zu widerlegen, der die Chance bekommt, da mal einzukehren. Probiert es aus. Ernsthaft. Ihr werdet danach kein Steak mehr so essen wie zuvor. Einfach unglaublich. Jedes einzelne Steak, ob Sirloin, Rib Eye, T-Bone oder Porterhouse, exakt so in der winzigen Küche über offenem Feuer gegrillt, wie es der Gast wünscht, und mit Side Dishes, das einem das Wasser im Munde nur so zusammen läuft… Ich komme ins Schwärmen und bekomme Hunger.
Die Preise in Frankie und Johnnie’s sind heftig und man sollte vorher einen Tisch bestellen, aber es lohnt sich wirklich.

Dieser vermutlich kürzeste aller WOC-Artikel soll im Grunde eines sagen: New York City ist keine Stadt, in der man leben will. Zumindest ich nicht. Aber es ist eine Stadt, die man gerne und oft besuchen mag, ein ganz klares Urlaubsziel, nicht nur für uns Auswanderer.

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