Indoor-Thunderstorm

Autor: Lisa

Falls jemals jemand von euch die Möglichkeit hat einen Safeway (eine gängige Supermarktkette hier an der Westküste und höchstwahrscheinlich auch im Rest der USA) von innen zu sehen, der sollte dies tun. Und dann begebt euch mal in die Gemüse- und Obstabteilung. Vom REWE kennen wir den eiskalten Nebel der da über die Salate drüberfegt, so alle paar Minuten.

Beim Safeway schaut das etwas anders aus, da wird das Gemüse direkt mit fein zerstäubtem Wasser besprüht. Und damit kein Kunde den Kopf im Gemüse und unter den Düsen hat wenn es wieder losgeht donnert es vorher wie bei einem Gewitter. So als Warnung quasi. Das erste Mal war ich wirklich irritiert, woher plötzlich diese Gewittergeräusch kommt, zumal es in SF im Sommer eh nicht regnet (hat es noch keinen Tropfen seit wir hier sind), und Gewitter gibt es nur ganz, ganz selten.

Soviel dazu. Skurriles aus den USA :)

Es ist 5 Uhr morgens, der Wecker klingelt, und Familie Schindler krabbelt aus dem Bett um sich für den Trip nach Sacramento fertig zu machen. Es wird noch rudimentär im Halbschalf gefrühstückt, und dann schlendern wir durch das ver- oder benebelte (je nachdem wie man es sieht) San Francisco zur BART (By Area Rapid Transit) Station an der Powell Street. Mit der Bahn fahren wir dann durch die Bay (ja, durch einen Tunnel im Wasser) rüber nach Oakland, und sehen uns mal wieder bestätigt, dass die East Bay wirklich kein schöner Ort zum leben ist. Und dass da alle zwei Tage einer über den Haufen geschossen wird überrascht auch nicht wirklich. Knappe 50 Minuten später steigen wir an der Endhaltestelle, der “Final Destination” Pleasanton/Dublin aus und warten auf die Bigelows, die uns netterweise nach Sacramento fahren werden.

Uns plagt ein Bisschen das schlechte Gewissen, dass die zwei uns insgesamt vier Stunden (2 hin und zwei zurück, jeweils knapp 200 Meilen pro Richtung) durch die Gegend fahren. Deshalb gibt es auch eine Flasche Wein aus dem Lake County für die beiden, inklusive des Geldes für den Sprit, welches aber, wie vermutet, nicht angenommen wird. Da wir aber darauf bestehen, auch weil wir ihnen nicht das Gefühl geben wollen ihre (Gast-)Freundlichkeit auszunutzen, haben wir uns schließlich darauf geeinigt etwas mit dem Geld zusammen zu machen, wenn wir in zwei Wochen für ein paar Tage bei ihnen sind.

In Sacramento finden wir dann recht fix das Büro des Secretary of State, und während Susan und Tom einen Parkplatz suchen verschwinden Martin und ich im Gebäude. Total nervös ob unserer ersten richtigen Begegnung mit der amerikanischen Bürokratie zeigen wir bei der Empfangsdame unsere Greencards vor, und werden dann in den dritten Stock zu Zimmer 390 geschickt. Die Fahrstühle sind echt verdammt fix in dem Gebäude. Man drückt auf 3 und zwei Sekunden später geht die Tür wieder auf. Sehr seltsam.

Der Raum 390 entpuppt sich als kein wirklicher Raum, sondern eher als eine Art Theke mit Reihe zum anstellen. Nach einer Minute sind wir schon dran und tragen unser Anliegen vor. Zu unserer Überraschung sagt uns der Herr, dass alles 7-10 Tage Bearbeitungszeit benötigt. Und dafür müssen wir kurz mal in den vergangenen zwei Wochen kramen…

Ein per Post an das Büro des Secretary of State versandter Antrag auf Eintragung einer Firma dauert, nach der Webseite, momentan (also vor  zwei Wochen als wir nachfragten) 58 Arbeitstage. Das war uns zu lange. Dementsprechend fragten wir nach Ausweichmöglichkeiten. Zum einen gibt es die Möglichkeit die Unterlagen vor Ort in Person für eine Gebühr von $15 einzureichen. Die Bearbeitung würde den per Post zugesandten Anträgen vorgezogen und sei (vor zwei Wochen) in eta 35 Tagen fertig.

Die nächste Möglichkeit wäre eine Gebühr von $350 (ebenfalls zusätzlich zu den $100 die der Antrag ohnehin kostet) um die Unterlagen in 24 Stunden durchschauen und bestätigen zu lassen. Es geht auch noch schneller, aber das war uns zu teuer.

Also fuhren wir nach Sacramento mit der Absicht $350 zu bezahlen und Ende dieser Woche die Unterlagen in den Händen zu halten, soweit denn alles in Ordnung ist. Denn man muss dazu sagen, dass das SoS nur die Gebühr von $15 oder z.B. $350 behält, no matter what, aber die $100 nicht einzieht, sollte der Antrag auf Incorporation abgelehnt werden. Innerhalb der letzten zwei Wochen scheint sich die Lage dort aber wieder sehr entspannt zu haben, denn uns wurde gesagt, dass wir für die $15-over-the-counter-Gebühr eine Wartezeit von 7-10 Arbeitstagen zu erwarten hätten. Auch als wir meinten, dass wir den Class C Service für $350 nutzen wollten, sagte uns der nette Herr dass, wenn es nicht allzusehr eilen würde wir eben nur die $15 zahlen müssten und um die $350 herumkämen.

Und da vor zwei Tagen Martins Grafikkarte abgeraucht ist und wir für knapp $400 eine neue bestellen mussten (weil er sonst ja nicht arbeiten kann), kam uns das ganz gelegen. Dementsprechend warten wir jetzt halt etwas länger, was aber nicht so tragisch ist, weil wir eh noch ein paar Dinge zu erledigen haben bevor es mit der Akquise losgehen kann (Webseite fertig machen, noch mehr potentielle Kunden raussuchen etc.). Das Ganze hat übrigens ca. 15 Minuten gedauert, und die Leute waren freundlich und hilfsbereit. Also alles in allem eine sehr positive Erfahrung, und ein Mal mehr wurde uns bewusst dass dieses Land von Unternehmern und nicht von Angestellten lebt. Denn der Aufwand für die UG & Co. KG in Deutschland war sehr viel komplizierter und langwieriger. Naja, jetzt drücken wir die Daumen dass niemand an den Unterlagen etwas auszusetzen hat und wir in etwa 10 Tagen die Bestätigung haben, dass wir erfolgreich “incorporated” sind.

Und was macht man, wenn man in Sacramento ist und der eigentliche Grund dort aufzuschlagen nach 15 Minuten durch ist? Richtig, man geht Arnie besuchen. Zumal der sich nur ca. 300 m entfernt vom Secretary of State im Capitol aufhält.

Ich hatte mal wieder meine Kamera nicht dabei, also musste Martins iPhone herhalten:

Wir waren natürlich auch drinnen, und erstmal dachte ich, dass das keine gute Idee ist. Wir mussten nämlich durch eine Sicherheitskontrolle, so wie am Flughafen, oder im Generalkonsulat in Frankfurt. Und ich wusste: ich hab mein Taschenmesser und das Reizgasspray in meiner Tasche. In Frankfurt wurde ich von einem der deutschen Sicherheitskräfte angeschaut als habe ich soeben versucht den amerikanischen Präsidenten persönlich zu attackieren, und so musste sowohl das Taschenmesser als auch das Reizgasspray ins Auto gebracht werden.

Mit etwas gemischten Gefühlen ging ich also auf eine der Sicherheitsbeamten zu und hielt mein Taschenmesser in der Hand. Auf die Frage hin, ob das ein Problem gäbe, lächelte man mich nur an und schüttelte den Kopf. Etwas verwirrt steckte ich das Taschenmesser wieder ein, meine Tasche wanderte durch das Röntgengerät, und auch das Reizgasspray war kein Problem. Anstandslos schritt ich durch den Metalldetektor und durfte all meine Tasche wieder an mich nehmen. Bei Martin piepte es allerdings – das iPhone wurde vom Metalldetektor bemerkt ;)

Danach haben wir uns das wirklich majestätische Capitol von innen angeschaut, und das ist wirklich sehenswert. Da das iPhone leider noch kein iPhone 4 ist haben wir kein HD Foto und auch kein Blitz, deswegen hab ich nur eine Sache drinnen fotografiert. Für den Rest müssen Bilder von anderen herhalten, um einen Eindruck zu bekommen.

So kann man sich das gesamt Gebäude vorstellen, viele Details, Mosaikböden, Stuck an den Decken und Bordüren, massive, verschnörkelte und aufwendig geschnitzte Geländer aus dunklem Holz, viele Gemälde von bekannten, einflussreichen Politikern, Marmor an den Wänden und viele Skulpturen. Inmitten alldessen befindet sich auch ein Museum, das sind die alten Büros des Gouverneurs und seinen Angestellten, wie es im späten 18ten, bzw. frühen 19ten Jahrhundert ausgesehen hat:

Was man auf dem Bild leider nicht sehen kann ist etwas, das uns verwirrt hat: alle Lampen die auf den Schreibtischen standen waren mit einem Kabel an einer Lampenfassung der Deckenkronleuchter befestigt und bekamen dadurch Strom. Warum? Martin vermutet, dass diese Zimmer vermutlich so belassen wurden und keine Steckdosen haben. Wer weiß, vielleicht stimmt es ja.

Schön war auch diese massive Safetür – da muss man lange feilen bis die offen ist:

Und das hier ist besagtes Treppengeländer, das mich sehr fasziniert hat, genauso wie die hohen, dunklen, massiven aber eleganten Eingangstüren aus Holz, die in jedes der Zimmer führte:

Ganz zum Schluss kommt man dann auch bei Arnie’s Büro vorbei, und er war auch drinnen, sonst hätte kein Sicherheitsbeamter davorgestanden. Aber leider kam er nicht raus. Dafür hat wohl der Sicherheitsbeamte den kleinen Kinder erzählt, dass der Bär (die Bronzeskulptur die vor dem Büro steht) wohl “Bacteria Bear” oder so heißt. Und das deswegen, weil der den ganzen Tag von vielen Leuten angepatscht und angehustet wird… armer Bär.

Danach ging es zurück zu den Bigelows nach Sunnyvale, aber wir haben einen ganz schönen Umweg gemacht, weil sie uns noch so viel gezeigt haben. Ein sehr schöner Trip, besonders die Church Rd bei Rio Vista wird uns durch die gratis Rückenmassage in Erinnerung bleiben, unser “großer U-Turn”. Kleiner Insider am Rande :)

In Sunnyvale wurde dann noch nett zusammengesessen, man unterhielt sich über San Francisco, den Tenderloin und die Obdachlosen und wie man sich wohl am besten verhält, und ob wir uns dort sicher fühlen, dann wurde gegrillt und gegessen und wir machten uns gegen 7 Uhr abends wieder auf den Heimweg nach San Francisco. Etwas ironisch an unserer Diskussion über die Sicherheit unserer Wohngegend war, dass wir meinten, dass die Geary Street die oberhalb unserer Wohnung die Leavenworth Street kreuzt, vor 12 Uhr nachts eigentlich noch ganz in Ordnung ist. Wir meiden meistens die O’Farrel (die Parallelstraße eine weiter unterhalb der Geary), auch tagsüber, wegen der seltsamen Gestalten dort.

Little did we know, dass auf der Geary Ecke Mason, also… aus unserer Haustür raus, rechts den Hügel 20 Meter hoch bis zur Geary und dann drei Blocks weiter unten am Vorabend eine Frau erschossen wurde, die wohl unabsichtlich zwischen die Fronten einer Schießerei geraten war. Da wir an diesem Abend vermutlich aber noch unter Kopfhörern gearbeitet haben wundert es mich nicht, dass wir nichts gehört haben. Trotzdem, auch wenn uns die Penhandler nerven und man sie am besten einfach ignoriert anstatt sich auf eine Diskussion mit ihnen einzulassen, ist es eher eine Ausnahme, dass hier Schießereien stattfinden. Dementsprechend würde ich es nicht verschreien, und Sorgen mache ich mir auch nicht. Abends sind wir ohnehin sehr, sehr selten unterwegs, und wenn, dann versuchen wir eh so wenig wie möglich in den Tenderloin zu gelangen (auch tagsüber), bevor wir zur Wohnung kommen. Aber man kann es nie wissen. Auch in Bonn wurde auf dem B.-v.-S.-Platz gegenüber vom WOKI herum geschossen, und in Köln, Tannenbusch oder Sankt Augustin werden nachts Leute abgestochen. Solange wir nicht in Oakland wohnen, wo wirklich alle zwei Tage einer erschossen wird, wollen wir nicht die Pferde scheu machen. Wir werden jetzt alles dransetzen dass die Firma gut anläuft, und dann können wir vielleicht in 10 Monaten in die South Bay ziehen. Aber dafür brauchen wir ein Auto, ohne geht das nicht. Und ansonsten können wir vielleicht vorher in einen anderen Bezirk ziehen. Wir werden sehen.

Es hat wirklich was, wenn man beim Abendessen ob des schönen Wetters entscheiden kann sich in den Bus zu hocken und dann ans Meer zu fahren. Wobei Meer ist ja untertrieben, schließlich ist es der Pazifik. Es war ein Bisschen die Suche nach Abwechslung, nachdem wir seit über zwei Wochen keinen unser eigentlich wöchentlich geplanten Ausflüge mehr gemacht haben (wie vorher schon erwähnt aus reinem Zeitmangel, und nach etlichen Stunden an Arbeit auch meistens mangelnder Lust noch vor die Tür zu gehen und sich durchs Tenderloin quälen zu müssen).

Wirklich viel erwartet haben wir nicht direkt, Martin wollte einfach mal wieder was anderes sehen als die Wohnung, ich zwar auch, aber ich bin eben noch nie am Pazifik gewesen. Atlantik ja, aber den Ozean kannte ich noch nicht. Und weiter als bis zum Golden Gate Park und dem dort beheimateten Japanese Tea Garden war ich bis dato auch noch nicht gekommen. Und so schnappte ich mir meine Kamera, und wir tigerten zum Bus, der uns dann den Geary Boulevard entlangfuhr und an Point Lobos wieder ausspuckte.

Wunderschön. Wenn man aus dem Bus klettert und die Seeluft einem in die Nase steigt, die Sonne das Gesicht wärmt und man das Meer nicht nur hören sondern auch direkt sehen kann, dann nenne ich das einen gelungenen Anfang eines wunderschönen Spaziergangs. Mein erster Eindruck war: Ruhe.

Es scheint nicht nur so, sondern es ist auch der Fall, dass sich an dieses Ende der Stadt nicht so viele Touristen verirren. So marschierten wir also durch die Landschaft und sahen uns um. Die Golden Gate Bridge von der anderen Seite zu Gesicht zu bekommen ist auch was sehr schönes, besonders weil man das Golden Gate dann wirklich mal sieht, und nicht nur immer bis zur Brücke und dann die gegenüberliegenden Felsen. Mitten in diesem Nadelöhr steht noch ein alter Leuchtturm (The Mile Rock Lighthouse), oder besser gesagt das, was von ihm übrig geblieben ist: das Fundament. Wenn man sich überlegt, dass da mal einer für mehrere Wochen locker nochmal doppelt so hoch in diesem Turm gehockt und gearbeitet hat, während da die Wellen mit eine ziemlich üblen Geschwindigkeit  gegen den Leuchtturm schlagen… da wird einem gleich ganz anders. An diesem Tag war es übrigens auch wirklich toll, denn der Nebel ließ auf sich warten. Also hatten wir freie Sicht. Bei Nebel in diesem Leuchtturm sitzen zu müssen stelle ich mir allerdings nicht besonders lustig vor, zumal der Nebel ja nun wirklich alles andere als von der leichten Sorte ist.


The Mile Rock Lighthouse (Foto von ca. 1950)

Martin erzählte mir dann, dass hier irgendwo versteckt in den Klippen auch die Ruinen der Sutro Baths liegen. Es stellte sich heraus, dass sie doch zugänglich und nicht ganz so versteckt liegen wie zu Anfang vermutet.
Erbaut im späten 19ten Jahrhundert von Adolph Sutro, einem Selfmade-Millionär, handelt es sich hierbei um das erste öffentlich zugängliche Hallenbad. Es war auch das einzige Bad, welches mehrere mit Meerwasser gefüllte Becken besaß und einige davon auch beheizte. Neumodisch aus Beton, Stahl und 9,300 m2 Glas gebaut, war es ein riesiger Komplex (für damalige Verhältnisse) mit der Besonderheit, dass die Wasseranlage des Bades mit dem Meer verbunden war. Dementsprechend wurde durch Ebbe und Flut jeden Tag das Wasser in den Becken, die mit Meerwasser gefüllt waren, automatisch ausgetauscht.

Neben den Schwimmbad beherbergte die Halle eine riesige Tribüne, wie man auf dem oberen Bild gut erkennen kann. 3.700 Leute passten auf diese Ränge, und 25.000 Leute gingen in Gänze in den Komplex. Kann man sich kaum vorstellen, wenn man heute vor den Ruinen steht. Schaut man sich aber die Blaupausen an, dann sieht das Ganze schon wieder anders aus. Denn die Dächer waren wohl ca. 50-60 Meter hoch, wenn man den Blaupausen Glauben schenken darf (http://www.cliffhouseproject.com/environs/sutrobaths/blueprints/blueprints.htm). Es muss also wirklich ein sehr hohes Gebäude gewesen sein.

Und es war nicht nur ein Schwimmbad, sondern im Grunde eine Art Vergnügungspark, in dem Konzerte, Boxkämpfe und Unterhaltungsprogramme aller Art stattfanden.

Hier gibt es ein paar Innenaufnahmen aus dem Film “The Line Up” von 1958:

Sehr interessant ist an der ganzen Sache außerdem, dass der Besitzer das Bad im Grunde privat bezahlt und unterhalten hat, damit die Bevölkerung etwas davon hat. Er selbst richtete außerdem ein Museum im Bad ein, wo er Dinge von seinen Weltreisen und Expeditionen nach Ägypten ausstellte. Und da er fand, dass die Bahnfahrt mit damals 10 cent zu teuer war, hat er einfach seine eigene Bahn bauen lassen damit die Leute für 5 cent zum Bad fahren konnten. Die staatliche Bahnstrecke ist dann kurzer Hand wegen Geldmangels geschlossen worden.

Der Herr Sutro setzte also sein eigenes Vermögen zum Wohle der Bevölkerung ein, auch wenn er draufzahlen musste. Und das hat er, denn die Beheizung des Bades war nicht billig. Aber es war einzigartig, weil er keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Vermögensklassen gemacht hat. Es konnte einfach jeder das Bad nutzen. Im Jahre 1966 wurde das Bad dann geschlossen und sollte abgerissen werden, da die Bewirtschaftung zu teuer wurde. Das abreißen hat dann am 26. Juni ein Feuer übernommen:

Und nun gibt es einige Fotos vom “As Is” Zustand, die Sutro-Bäder und Umgebung im July, 2010. Ach ja, eins noch: ich habe noch nie einen so unerschrockenen Greifvogel erlebt, wie diesen Bussard (zumindest meine ich, dass es einer ist, für einen Adler war er zu klein). Jedenfalls flog der da herum und hat sich nicht ein Stück dran gestört, dass ständig Menschen durch sein Abendessen spaziert sind, oder durch das Revier in welchem er es gejagt hat.

Was so los ist.

Autor: Martin

Im Juni schröbten wir ja noch ne ganze Menge, im Juli leider nicht mehr so. Das ist ärgerlich, für den Leser wie die Schreibenden, denn diese Ruhe bedeutet auch, dass wir kaum Zeit haben aufregende Dinge zu erleben, geschweige denn darüber zu schreiben.

Nun aber hier eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen:

Ich habe mich an eine Architektur-Demo gesetzt. Wir arbeiten ja mit der Technologie von Computerspielen um “nützliche” Anwendungen zu schaffen, und genau dieses Know-How möchten wir in den USA ja nun vermarkten. Und damit man etwas vermarkten kann, muss man es erstmal zeigen können. Und damit wir etwas zum zeigen haben, habe ich in den letzten Wochen eine Demo gemacht, um Architekten erklären zu können, warum unsere Technologie so viel besser ist als Zeichnungen und Holzmodelle. Dazu habe ich eines der bekanntesten Gebäude der Stadt (555 California Street, ehemaliges Hauptquartier der Bank of America) genommen, mich davor gestellt und die Details eingeprägt, ein paar Fotos davon gemacht, und mich dann zuhause dran gemacht, es im Detail nach zu bauen. Das hat, samt Programmierung der dazugehörigen Software, etwa sechs Wochen gedauert und ich werde wohl heute oder morgen damit fertig. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Hier ein paar Bilder davon:

Die Bilder sind natürlich alle anklickbar um sie zu vergrößern. Und die Architekturbüros, denen wir das Programm zeigen werden, können dann nun über den Vorplatz und durch das Erdgeschoß dieses Gebäudes laufen und sich alles ganz genau ansehen und werden begeistert davon sein und so etwas auch für ihre Bauprojekte haben wollen. So ist zumindest der Plan.

Lisa arbeitet in dieser Zeit mit Armin, unserem Kollegen in Deutschland, zusammen an einer iPhone-App (ein Programm für das Apple iPhone), die es Frauen ermöglichen soll, ihre Basaltemperatur im Auge zu behalten. Das ganze ist natürlich komplizierter als es klingt und eine Wissenschaft für sich, vor allem wenn man diese Sache zur Familienplanung einsetzen will. Und unser Programm soll einem dabei helfen, das System etwas zu vereinfachen und leichter benutzen zu können. Dazu aber später mehr, wenn es in ein paar wenigen Wochen marktreif wird.

Und ganz nebenbei, und nun kommt das eigentlich spannende Thema, sitzt Lisa noch über den Verträgen zu unserer neuen amerikanischen Corporation (= Aktiengesellschaft), die wir als Schwester zu unserer deutschen Firma gründen. Der Gründungsprozess an sich ist sehr viel einfacher (und kostengünstiger) als der in Deutschland, allerdings sind die Informationen hier sehr viel weiter gestreut und viel schwerer zusammen zu tragen. In Deutschland ist das Gesellschaftsrecht auf Bundesebene festgelegt und überall gleich. Hier hingegen kann jeder Staat selbst beschließen wie die einzelnen Regeln zu sein haben. Es gibt zwar seit einigen Jahren das Bestreben, die Regeln der einzelnen Staaten zumindest anzugleichen, besonders weit ist man mit diesem Prozess aber freilich noch nicht gekommen. Und deshalb bekommt man in keiner Buchhandlung einen Leitfaden, wie man in Kalifornien eine Corporation gründet, sondern immer nur, wie so etwas “in etwa” in allen Staaten abläuft. Die Details für Kalifornien muss man sich dann mühsam selbst zusammen tragen. Zwar bietet der Secretary of State (= Innenminister von Kalifornien, das zuständige Ministerium) einen Leitfaden und Eckpunkte, die man beachten soll, die Details selbst finden sich aber erst im California Corporations Code (= Gesetz zur Regelung von Kapitalgesellschaften in Kalifornien).

Wer schon ein mal einen deutschen Gesellschaftervertrag, eine Gesellschaftssatzung oder ähnliches in den Händen hatte wird sich beim Lesen vermutlich gedacht haben, dass so ein Amtsdeutsch schon schrecklich verschachtelt und kompliziert sein kann. So ging es mir zumindest bei der Verfassung der Verträge zu der deutschen Firma. Nichts hingegen, und das hätte ich ehrlich nie gedacht, schlägt Vertragsenglisch. Als Beispiel hier ein Satz, ich betone EIN EINZIGER Satz, aus einem Beispielvertrag:

“As used herein in respect of the right to notice of a meeting of stockholders or a waiver thereof or to participate or vote thereat or to consent or dissent in writing in lieu of a meeting, as the case may be, the term “share” or “shares” or “share of stock” or “shares of stock” or “stockholder” or “stockholders” refers to an outstanding share or shares of stock and to a holder or holders of record of outstanding shares of stock when the corporation is authorized to issue only one class of shares of stock, and said reference is also intended to include any outstanding share or shares of stock and any holder or holders of record of outstanding share or shares of stock of any class upon which or upon whom the certificate of incorporation confers such rights where there are two or more classes or series of shares of stock or upon which or upon whom the General Corporation Law confers such rights notwithstanding that the certificate of incorporation may provide for more than one class or series of shares of stock, one or more of which are limited or denied such rights thereunder; provided, however, that no such right shall vest in the event of an increase or a decrease in the authorized number of shares of stock of any class or series which is otherwise denied voting rights under the provisions of the certificate of incorporation, except as any provision of law may otherwise require.”

Noch Fragen?…

Lisa plagt sich jedenfalls durch den Papierkram und ist damit ebenfalls quasi fertig. Am kommenden Montag werden wir von Freunden nach Sacramento gefahren, der Hauptstadt von Kalifornien, damit wir alles abgeben können. Und 24 Stunden später sollte unsere kleine Corporation dann stehen.

An der privaten Front passiert zur Zeit so gut wie gar nichts, selbst für Ausflüge ist momentan nicht viel Zeit. Allerdings haben wir uns am vergangenen Samstag den Abend frei genommen und waren draussen am Point Lobos und den Sutro Baths, direkt an der Pazifikküste. Es war ein grandioser Abend und Lisa wird in Kürze die Fotos zur Betrachtung und Beneidung bereit stellen.

Und ich werde mich nun wieder an die Arbeit setzen, damit ich bald mal fertig werde – und das nächste Projekt anfangen kann.

Am Freitag wurden wir von Susan und Tom Bigelow, zwei sehr, sehr netten Leuten (Freunde von Helmut, wer ihn kennt), durch das Silicon Valley geführt. Wir saßen um 8 Uhr morgens im Zug (CalTrain) nach Mountain View, und waren nach 50 Minuten am Ziel. Es erwartete uns ein wundervoller Tag an dem wir viel zu sehen bekamen. Wir fuhren bei Google vorbei, die lustigerweise eins von diesen roten, auf den Kopf gestellten Tropfen-Icons vor der Haustür haben, wie man sie auf Google Maps o.Ä. findet, wenn man ein Ziel eingibt und es dann angezeigt wird. Dann sind wir bei Apple in Cupertino vorbeigefahren, durch Downton San José, Sunnyvale und Der Campus der Stanford Universität. Die South Bay gefällt uns so gut, dass wir darüber nachdenken evtl. dorthin zu ziehen, sobald die Firma läuft. Und das eben nicht nur, weil dort all die Firmen sitzen mit denen wir (hoffentlich) unser täglich Brot verdienen werden, sondern vor allem auch weil uns die Gegend sehr, sehr gut gefällt. So viel Grün… und das in Californien im Hochsommer. Man hätte es eigentlich viel bräunlicher erwartet. Und im Frühling, bzw. im Herbst wird dann alles noch grüner.

Und da man sehr schnell in San Francisco ist würden wir auch nicht sehr viel vermissen, sondern eher die Ruhe dort unten genießen.

PS: es ist noch immer seltsam für mich, dass hier Kolibris herumfliegen wie bei uns Spatzen. Aber sehr faszinierend…

PPS: die Züge von CalTrain sind übrigens auch sehr krass. Martin hat sie “ChickenTrain” getauft, die Bilder sollten in etwa veranschaulichen weshalb. Aber so sauber wie dort hab ich selten Züge gesehen. Und der Komfort, bzw. der Abstand zwischen den Sitzen ist größer und besser als in der ersten Klasse von den RegionalExpress-Zügen in Deutschland.